[Kleiner Disclaimer zu Beginn: Im Moment versuche ich einfach nur, meine Schreibmuskeln wieder ins Laufen zu bringen. Idealerweise würde das in eine Wiederbelebung dieses Blogs münden, aber versprechen möchte ich zu diesem Zeitpunkt nichts, und ich benutze den Blog nur aus dem Gefühl heraus, dass es die Sache für mich etwas verbindlicher macht, als wenn ich im Stübchen was vor mich hinschreibe.]
Scarlet Witch 1 (Panini Comics, VÖD 12.09.23)

Wanda Maximoff ist schon immer einer meiner Lieblingscharaktere aus dem Marvel Universum gewesen, nach der House of M – Storyline aber zunehmend in den Hintergrund getreten, und erst durch die Kinoleinwand wieder populärer geworden. Und jetzt hat sie endlich wieder eine eigene Serie, die seit Anfang des Jahres in den USA veröffentlicht wurde und nächsten Monat den deutschsprachigen Markt erreicht. Ich habe die im ersten Band erscheinenden Geschichten über Marvel Unlimited gelesen, kann also nur zur Story und den Zeichnungen sprechen, was mir aber völlig ausreicht, um die Serie bedenkenlos weiterzuempfehlen.
Steve Orlando versetzt meine Lieblingshexe zu Beginn nach Lotkill, New York, wo sie das Emporium, einen kleine magische Handlung für Bücher, alle möglichen Accessoires und gute Ratschläge eröffnet hat. Der Clou an diesem Magic Shop ist die Letzte Tür (the last door), ein magisches Portal, dass sich für alle Menschen (und, wie sich zeigen wird, andere Wesen) öffnet, die in hoffnungslosen Schwierigkeiten stecken. Diese Tür bestimmt auch die Struktur der Geschichte, denn wie man erwarten kann, kommt da immer wieder der Notfall der jeweiligen Ausgabe durch, was es dem Autor erlaubt, nach Belieben in sich abgeschlossene Geschichten zu erzählen. In der ersten Ausgabe ist das etwa Jarnette Chase, eine junge Frau, deren italienisches Heimatdorf Amatrice unter die Kontrolle des Corruptors Jackson Day (ein mir bis dato unbekannter C-Villain aus den 70ern) geraten ist. Diesem Schicksal entkam Jarnette nur durch ein Amulett, das aus einem unbekannten Material besteht, dass den Träger vor der Anwendung durch Magie beschützt.
Champion Viv Vision ist die nächste Besucherin. Sie wird von Alpträumen geplagt, deren Ursprung nicht in ihrer tragischen Familiengeschichte begründet ist, sondern die ihr aus der Dimension der Alpträume gesendet werden, was das Ganze zu einem Fall für Wanda macht. In der nächsten Story verschlägt es uns nach Sub-Atomica, ins Mikroversum, wo der Planet Tryfa kurz vor der völligen Eroberung durch die Nillans, ein agressives nomadisches Volk auf der Suche nach einer neuen Heimat steht.
Bisher habe ich vergessen zu erwähnen, dass Wanda einen neuen Sidekick hat, der den Fans des MCU allerdings aus den Thor-Filmen sowie der Serie Wanda:Vision gut bekannt sein sollte. Darcy Lewis betreut den Laden, wenn Wanda mal wieder unterwegs ist, und wie sich herausstellt, ist sie ebenfalls durch die Letzte Tür gekommen. Der Grund dafür bleibt allerdings zunächst ein Geheimnis, bis plötzlich Hippolyta (ja, genau die), die Anführerin der Bacchae auftaucht und Darcy als Mordverdächtige zu entführen versucht. Was die Scharlachhexe natürlich zu verhindern versucht.
Neben diesen Einzelepisoden geht es in dem Buch aber vor allem um Wandas persönliche Verbindungen in die Welt des Marvel-Universums. Ihr Bruder Pietro aka Quicksilver, ihre Halbschwester Polaris, ihre Tante, Mentorin und Antagonistin Agatha Harkness und sogar ein eigentlich im Moment als tot geltender (wenn ich es richtig verstanden habe) Vater (der mit den magnetischen Kräften) werden an verschiedenen Stellen in die Handlung eingeführt, was hoffentlich in der Zukunft zu einer stärkeren Integration der Scarlet Witch in die Marvel-Superheldenwelt führen wird, immerhin war sie mal ein Avenger. Ich liebe diese kleinen Szenen, die zeigen, dass Wanda nicht nur eine mächtige Hexe ist, sondern eben auch eine in diesem Universum tief verwurzelte Person, die nach langen Jahren voller Tragödien, Katastrophen und des Ausgestoßen sein nun wieder bereit scheint, ihren verdienten Platz in der Welt einzunehmen. Der Autor sei übrigens ausdrücklich dafür gelobt, dass er die Historie nicht gerade ignoriert, aber auch nicht zum Mittelpunkt der Handlung macht, was die Romane auch für Neuleser bzw, diejenigen, die Wanda vor allem aus den Filmen kennen, zu einem guten Einstiegspunkt macht.
Und wo ich gerade beim Loben bin, gebührt dieses auch und vor allem der Zeichnerin Sara Pichelli und Kolorist Matthew Wilson für ihre Darstellung der Scharlachroten Hexe, insbesondere auch im Hinblick auf ihre ethnische Herkunft,die in der Vergangenheit ziemlich oft komplett ignoriert wurde.
Band 1 der deutschen Ausgabe versammelt die ersten fünf Ausgaben der Heftserie sowie das Annual 2023 und stellt eine Art Bindeglied zwischen dem vorangegangenen Darkhold Event (Darkhold – das Buch des Bösen, Panini 2022) und dem nächsten Magischen Crossover-Event, Contest of Chaos (seit August über verschiedene Annuals in den USA erscheinend, in Deutschland also wohl eher nicht vor 24). Wie bereits gesagt für Fans der magischen Seite des MU und speziell für Freunde der Scharlachhexe, sehr zu empfehlen und auch ohne große Vorkenntnisse gut zu verstehen.