Letztes Jahr habe ich soviel gelesen wie schon lange nicht mehr, wofür ich vor allem diversen Booktubern wie auch den beiden Discord-Kanälen zu danken habe, die mich mit mehr grandiosen Vorschlägen zuschmeißen, als ein normaler Mensch auch nur ansatzweise lesen kann. Ich will zwar noch besser werden, aber so langsam schickt sich das Lesen an, wieder mein Hobby Nummer 1 zu werden, von daher freue ich schon sehr darauf, was das neue Jahr so bringen wird, und hoffe auch, auf diese Weise meinen Blog wieder zum Leben zu erwecken (vor allem über Rezensionen der von mir gelesenen Bücher).
Den Anfang macht aber ein Rückblick auf das vergangene Jahr. Ich hab mal versucht, meine Lieblingsbücher zu ranken, wobei ich pro Autor nur ein Buch ausgewählt habe, um eine gewisse Vielfalt beizubehalten.
Platz 10 – Brandon Sanderson – Die Worte des Lichts

Ich hab letztes Jahr mit den Sturmlicht-Chroniken angefangen und wollte die eigentlich auch komplett durchlesen, bin aber kläglich gescheitert, da ich einer anderen Serie die Prioriität gegeben habe. Ich hätte hier quasi jeden der ersten drei Teile nennen können, da die Serie mir ausgesprochen gut gefällt, gebe dem dritten Teil aber den Vorzug, weil man hier erstmals Einblicke in das große ganze erhält, auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, alles zu verstehen. Schöne epische Fantasy, die ich wie jeden der bisherigen Teile mit 4 Sternen belohnt habe.
Platz 9 – RF Kuang – Katabasis

Eine Reise durch die Kreise der Hölle, angelehnt an Dantes Inferno und gespickt mit Kritik am (britischen) Universitätssystem. Ich hatte eine Menge Spass daran, die vielen Referenzen nachzugoogeln, die die Autorin hier hineingepackt hat, kann aber verstehen, dass das nicht jedermanns Sache ist. Warum zur Hölle (Pun intended) das Buch allerdings teilweise als Romantasy angepriesen wurde, erschließt sich mir nicht im geringsten und wird dem Werk auch keinesfalls gerecht. Sehr vergnüglich und gedankenanregend, ebenfalls 4 Sterne.
Platz 8 – James Islington – The Will of the Many

Dass das Buch bei mir so „schlecht“ abschneidet, hat mich fast am meisten überrascht, ist aber ein Hinweis darauf, wie gut mein Lesejahr gewesen ist. Ich bin absolut kein Fan von Romanen, die in der 1. Person Präsens geschrieben sind, hab das hier aber schon nach kurzer Zeit völlig vergessen gehabt. Vis, die Hauptfigur, ist für meinen Geschmack ein wenig zu überkompetent beschrieben, andererseits würde auch nur eine außergewöhnliche Persönlichkeit die vielen Herausforderungen bestehen, denen er sich im Verlauf des Romans gegenübersteht. Und das Ende ist mit Sicherheit der beste Cliffhanger, dem ich 2025 begegnet bin, das war absolut herausrragend. Auch dieses Buch über das Überleben in einer streng hierarchisch, römisch inspirierten Welt hat die 4 Sterne mehr als verdient.
Platz 7 – John Bierce – The City that would eat the World

Dieses Buch hab ich mir eigentlich nur ausgesucht gehabt, weil das Cover mich so sehr an die von mir geliebten Terry Pratchett-Romane erinnert haben. Und was soll ich sagen, ich hatte beim Lesen fast genauso viel Spass wie bei seinen Werken. Eine Stadt, die ständig am Wachsen ist, getrieben von einer Religion, die streng ökonomisiert ist und keinerlei Rücksicht auf die wirtschaftlichen und ökologischen Konsequenzen nimmt, die das auf die Umwelt nimmt. 2 völlig unwahrscheinliche Helden, die eine Zufallsbegegnung zusammenbringt und die fast den ganzen Roman über auf der Flucht vor denjenigen sind, die ihnen das Artefakt abnehmen wollen. Rasant geschrieben, mit etwas ungewöhnlicher Struktur, weil der Autor immer wieder Rückblenden einbaut, die einem bestimmte Aspekte der Welt und ihrer Geschichte näherbringen und die Hauptcharaktere besser verstehen lassen, mit einer sehr hohen Dosis an Pratchett-ähnlichem Humor. Auch vier Sterne, aber so langsam wird es echt knapp, ab 4,5 würde ich aufrunden, also eher so 4.48 🙂
Platz 6 – Philip Chase – While Darkness Gathers

Philip Chase hat sich 2024 mit seiner Edan-Trilogie unmittelbar in die Riege meiner absoluten Lieblingsautoren hochgeschossen, von daher was es klar, dass ich den hier vorliegenden Epilog in Buchform sofort verschlingen würde. Ich nenne es Epilog, weil es viele der Themen aus der Trilogie nochmal aufgreift, ein paar lose Fäden hineinwebt und weil fast alle Charaktere immer noch unter dem Eindruck der dortigen Ereignisse stehen und diese immer noch sehr stark reflektieren. Zum Glück gibt es ein paar jüngere und neue Charaktere, die die eigentliche Handlung antreiben. Und einen Bösewicht, der im Laufe des Romans zu einem großartigen, ehrenvoll handelnden Protagonisten heranreift. Für mich ist das Buch das Äquivalent zu den Abschlusskapiteln in Tolkiens Herr der Ringe, ganz großartig geschriebenes, bittersüsses Ende einer grandiosen Trilogie, allerdings fehlt mir alleinstehend in Buchform das kleine I-tüpfelchen an Eigenständigkeit, um die 5 Sterne zu verdienen. Sollte auf keinen Fall vor der Trilogie gelesen werden.
Platz 5 – Robert Jackson Bennett – The Tainted Cup

Spätestens hier befinden wir uns aber im 5-Sterne-Land, und bis auf den ersten Platz könnte sich das Ranking je nach Tagesform auch umkehren, die kommenden Romane nehmen sich alle nichts. Bennett hat hier einen ganz vergnüglichen Detektiv-Roman um ein grandioses Ermittlerpaar geschrieben, die es mit den großen Vorbildern Holmes & Watson locker aufnehmen können. Das ganze in eine Fantasy-Welt gepackt, die in Bennett-typischer Magie einen guten Schuss Science hinzufügt. Ich hatte selten so viel Spaß wie beim gemeinsamen Lesen dieses Buchs in der Buchgruppe von Phantastische Zeit, und freue mich wirklich darüber, dass Bennett nun über die hochverdienten Preise (Hugo, World Fantasy) auch im Mainstream angekommen zu sein scheint.
Platz 4 – Daniel Abraham – A Shadow in Summer

Das hier ist für mich die größte Überraschung im vergangenen Jahr. Ich habe es ebenfalls im Rahmen einer Buchgruppe (diesmal die von Nerd Level Rising) gelesen, und war zu Beginn etwa skeptisch, weil ich den ersten Band von The Expanse (an der Abraham ja mitgeschrieben hat) stilistisch gar nicht mal so gut fand. Hier aber liebe ich die Prosa, die sich für mich ähnlich anfühlt wie die Stimmung in den mir bekannten Wuxia-Filmen (wie Tiger & Dragon, oder , für die älteren, A Chines Ghost Story), voller Melancholie und Tragik. Abraham nimmt sich sehr viel Zeit für die Geschichte, es gibt kaum Action, allerdings schafft er es, die Spannung konstant hoch zu halten, zumal der Leser ziemlich schnell weiß, um was es eigentlich geht, während die Hauptcharaktere völlig ahnungslos in die Katastrophe schlittern. Und ich habe selten einen Schurken gelesen, mit dem man gleichzeitig so viel Mitgefühl hat,obwohl seine Taten abgrundtief verachtenswürdig sind (und das Buch unbedingt mit einer Inhaltswarnung zum Thema Abtreibung versehen sein sollte). Der Nachfolgeband, A Betrayal in Winter, ist jedenfalls das Buch, mit dem entgegen jeder ursprünglichen Absicht das Jahr 26 begonnen habe, so gut hat mir der Erstling gefallen.
Platz 3 – Susanna Clarke – Piranesi

Das wohl merkwürdigste Buch, dass ich 2025 gelesen habe, und dass ich eher im Bereich des magischen Realismus als der traditionellen Fantasy ansiedeln würde. Ein Mann ohne Erinnerung, in einem Haus mit unendlich vielen Räumen, ein Tagebuch, in dem er seine Erlebnisse festhält, und in dem ganze Seiten zu fehlen scheinen, ein mysteriöser Fremder, der seinen einzigen lebenden Kontakt darstellt und der mehr zu wissen scheint als er. Der Leser hat zu Beginn nicht den leisesten Schimmer, um was es hier eigentlich geht, nur ganz langsam beginnt sich etwas wie ein roter Faden zu bilden, und das Ende lässt einiges an Fragen offen. Belohnt wird man mit wunderschöner, faszienierender Prosa an der Grenze zur Poesie und einer Geschichte, die noch lange im Gedächtnis bleibt. Ein wunderbar herausforderndes Leseerlebnis.
Platz 2 – Jen Williams – Titanchild

Titanchild ist der Abschlussband der Titan Duology. Epische Fantasy (wie bei Bennett mit einem Schuss Science), in der ein kontinentales Imperium einer druidischen, sehr vom alten Britannien inspirierten Insel kurz vor einer möglichen Invasion gegenübersteht. Eine Soldatin mit übermenschlichen Fähigkeiten, die auf der Suche nach ihrer Vergangenheit zu eben dieser Insel reist. Ein Druide, der eine Bedrohung spürt, die ihm niemand glauben will, und ebendieser Soldatin als Aufpasser zugeordnet wird. Eine junge Frau, die unter Greifen aufwächst und deren sehnlichster Wunsch ist, fliegen zu können, der aber ein völlig anderes Schicksal bevorsteht. Und ein Auftragsmörder und Spion, der im Auftrag des Imperiums eine Reise unternimmt und damit ein Verhängnis heraufbeschwört, das geeignet ist, die ganze Welt zu zerstören.
Und ja ich verspreche, dass das alles zusammen komplett Sinn ergibt. Darüber hinaus ist es hochspannend geschrieben. Ich habe schon Williams Winnowing Flame-Trilogie geliebt, und das hier ist, Wort für Wort, mindestens genauso gut. Inzwischen wissen wir ja, dass die Duologie dank des Ronin-Hörbuchverlags auch auf Deutsch erscheinen soll, dann werd ich die Reihe definitiv nochmal lesen.
Platz 1 – Christopher Ruocchio – Kingdoms of Death

Die Suneater-Reihe war im Jahr 2025 sicher mein bestes Leseerlebnis. Eine Jahrhunderte währende Space Opera in weit entfernter Zukunft, geschrieben aus der Sicht von Hadrian Marlowe, der einen interstellaren Konflikt zwischen der Menschheit und den Cielcin nicht nur miterlebt, sondern auch an vorderster Front mitgestaltet (und beendet) hat. Ich liebe die komplette Serie, der vierte Band hat mich aber auf eine Art und Weise emotional mitgenommen und fertig gemacht, wie ich es selten bei einem Buch erlebt habe. Für mich der absolute Höhepunkt der Reihe, auch wenn ich den letzten Band noch lesen muss. Leider sind auf Deutsch ja nur die ersten drei Bände erschienen, was echt eine Schande ist. Jedenfalls mit Abstand meine Nummer 1 in diesem Jahr, und der Grund, warum ich nur 1 Buch pro Autor ausgesucht habe, sonst würde diese Liste ganz anders aussehen.





Eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes machen, musste aber unbedingt noch schnell meinen Blog-Feed durchschauen und bin dabei an
Mein Verhältnis zu Marvels ikonischer Frauenheldin ist zugegebenermaßen nicht ganz frei von Störungen. Ich hab Carol Danvers eigentlich erst im Rahmen von Kelly Sue DeConnicks Run kennen- und schätzen gelernt, und auch die Miniserien mit Kelly Thompson als Co- bzw. Alleinautorin wirklich genossen. An der Spitze von Alpha Flight begann sie aber schon ein wenig, mir auf den Senkel zu gehen und mit ihrer Haltung während der Civil War II-Krise war der Charakter für mich eigentlich verbrannt. Dazu kam, dass ihr Charakter mehr und mehr von einem toxischen Feminismus geprägt schien, der sie mir mehr und mehr unsympathisch und damit nahezu der einzigen weiblichen Heldin machte, die ich nicht ausstehen konnte.
Es ist eine ganze Weile her, dass ich über das Setting in meinem Kopf geschrieben habe, und wenn ich ehrlich bin, habe ich in dieser Zeit auch nicht wirklich daran gearbeitet. Und eigentlich sollte auch dieser Eintrag nicht um Tetheril gehen. Vielmehr bin ich gestern beim Durchstöbern der von mir abonnierten Blogs auf die Frage gestoßen, wie ich zum Thema Schusswaffen im Fantasy-Rollenspiel stehe. Was mich ein bissl ins Grübeln gebracht hat, weil ich zu dem Thema eine für mich selbst etwas merkwürdige Haltung habe. Persönlich brauch ich Schusswaffen nämlich so gar nicht in meiner Fantasy, zumindest, wenn es um Fantasyliteratur geht. Ich müsste jetzt lügen, aber mir fällt gerade so gar kein Fantasyroman ein, der mir so richtig gut gefallen UND der Schusswaffen enthalten hat. Offensichtlich trenne ich da sehr stark zwischen Fantasy und anderen Genres, in denen Schusswaffen natürlich durchaus vorkommen (dürfen).