
The Children of Gods and Fighting Men ist der erste Teil der Gael Song Saga und gleichzeitig der Debutroman aus der Feder von Shauna Lawless, die dafür 2023 in der Kategorie Bester Newcomer für die British Fantasy Awards nominiert wurde. Völlig zurecht, wie ich hier schon hinzufügen möchte.
In ihrem Erstling mischt die Autorin gekonnt die irische Geschichte des ausgehenden 10. nachchristlichen Jahrhunderts mit dem irischen Mythus rundum die Formorier und die Tuatha De Dannan und webt daraus eine eine spannende, in Teilen düstere Erzählung des Kampfes um die Vorherrschaft über Irland in einer Zeit, in der das Christentum noch mit dem Glauben an die Nordischen Götter der Wikinger, aber auch dem alten vorchristlichen Glauben der frühen Iren konkurriert. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, die formorische Königin und Königsmutter Gormflaith, die in einer männerzentrierten Welt navigiert, intrigiert und nötigenfalls skrupellos mordet, um ihrem Sohn Sitric zur Herrschaft über Irland zu verhelfen, sowie die Heilerin Fódla, eine Nachkommin der Tuatha De Dannan, die ihm Auftrag ihres Volkes als Spionin an den Hof des Königs von Munster, Brian Boru, geschickt wird, um dessen Vertrauen zu erringen und Informationen über seine Kriegsvorbereitungen gegen den irischen Hochkönig Sechnall zu beschaffen. Aus der Sicht dieser beiden Frauen geschildert zeichnet die Autorin ein Panorama der irischen Gesellschaft des 10. Jahrhunderts, der nachgeordneten Stellung der Frau in dieser Gesellschaft (gegen die sowohl Fódla als auch Gormflaith auf ihre jeweils eigene Weise rebellieren), sowie der Machtkämpfe der irischen Parteien sowohl auf dem Parkett der Diplomatie als auch im direkten Krieg. Und gleichzeitig glimmt im Hintergrund der für die Menschen geheime Konflikt zwischen Formoriern und den Descendants, den Nachkommen der Tuatha De Dannan, der eigentlich nur mit der völligen Vernichtung einer der beiden Parteien enden kann.
Der Stil der Autorin ist schon in diesem Erstroman sehr ausgereift, gut verständlich und klar; ihre Charaktere sind komplexe Figuren, und während es recht deutlich ist, wer hier die Guten und wer die Bösen sind, folgen doch alle einer nachvollziehbaren Motivation für ihre Taten, und es fällt teilweise durchaus schwer, in den aus ihrer Sicht geschriebenen Kapiteln Gormflaith nicht die Daumen zu drücken, auch wenn ihre Methoden alles andere als leicht verdaulich sind. Auch vermeidet es Shauna Lawless, plakativ Partei zu ergreifen, sie lässt die Ereignisse und Entwicklungen für sich sprechen und den Leser seine eigene Meinung bilden. Nichtsdestotrotz werden die meisten Leser wohl vor allem mit Fódla sympathisieren, zumals sie fast die einzige ist, die nicht aus einer Position der Macht handelt und damit wohl am ehesten zur Identifikation mit ihrer Perspektive einlädt.
Besonders interessant sind die vielen Dualitäten, die sehr geschickt miteinander verwoben viel von der Spannung des Romans auch in den ruhigeren Kapiteln ausmacht, die das Buch größtenteils dominieren. Die Heilmagie Fódlas gegen die Feuermagie Gormflaiths, die politische Macht der einen Frau gegen die untergeordnete Stellung der anderen; Iren und Vikinger, Christentum und alter Glaube, der alteingesessene irische Hochadel und der Emporkömmling Brian Boru, die beiden Söhne Sitric und Murchad (der Sohn Brian Borus und so etwas wie der heimliche Held der Erzählung), das sind nur einige der Konstellationen und Elemente, die sich hier gegenüberstehen und zum Vergleich selbst da einladen, wo sie nicht direkt aufeinanderprallen.
Ich empfehle das Buch allen Lesern, die gut geschriebene historische Fantasy lesen, die zumindest in diesem Roman näher am historischen Roman als an der Fantasy ist (Magie spielt mit Ausnahme weniger Szenen kaum eine Rolle). Aktuell nur in englischer Sprache erhältlich ist das Buch aber auch für Nichtmuttersprachler mit Englischkenntnissen gut lesbar.
Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf den zweiten Teil der bereits vollständig erschienenen Trilogie ( der erste Band einer Nachfolgereihe ist ebenfalls bereits erschienen). Ich habe vor vielen, vielen Jahren die Nebel von Avalon geliebt, und schon Band 1 der Gael Song Saga gibt mir das Gefühl, hier ein Äquivalent im Rahmen der irischen Geschichte und Mythologie vorzufinden. Dem Buch, der Reihe, ist jedenfalls eine baldige Übersetzung und viel Erfolg in der deutschen Leserschaft zu wünschen, da sie sowohl Liebhaber historischer Romane als auch Fantasylesern ansprechen dürfte.


Es ist eine ganze Weile her, dass ich über das Setting in meinem Kopf geschrieben habe, und wenn ich ehrlich bin, habe ich in dieser Zeit auch nicht wirklich daran gearbeitet. Und eigentlich sollte auch dieser Eintrag nicht um Tetheril gehen. Vielmehr bin ich gestern beim Durchstöbern der von mir abonnierten Blogs auf die Frage gestoßen, wie ich zum Thema Schusswaffen im Fantasy-Rollenspiel stehe. Was mich ein bissl ins Grübeln gebracht hat, weil ich zu dem Thema eine für mich selbst etwas merkwürdige Haltung habe. Persönlich brauch ich Schusswaffen nämlich so gar nicht in meiner Fantasy, zumindest, wenn es um Fantasyliteratur geht. Ich müsste jetzt lügen, aber mir fällt gerade so gar kein Fantasyroman ein, der mir so richtig gut gefallen UND der Schusswaffen enthalten hat. Offensichtlich trenne ich da sehr stark zwischen Fantasy und anderen Genres, in denen Schusswaffen natürlich durchaus vorkommen (dürfen).
Ein neues Jahr beginnt, und wiewohl ich nicht viel von guten Vorsätzen zum Jahreswechsel halte, brauche ich dennoch mal wieder eine kleine Erinnerung an mich selbst, dass ich hier wieder dringend aktiver werden sollte. Und immerhin habe ich meine letztjährige Goodreads Reading Challenge geschafft, vielleicht klappts also auch mit dem Blog. Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme.
Nachdem sich DC mit ihrer Neuinterpretation des DC Universums im Rahmen ihrer „The new 52“-Initiative (auf Deutsch einfach: Das neue DC Universum) doch sehr starker Kritik ausgesetzt war (wie üblich bei Kontinuitätsbrüchen), besann man sich schnell eines Besseren und startete mit „Rebirth“ im Mai 2016 einfach nochmal von Neuem, diesmal mit dem Ziel, an den Status Quo vor dem Flashpoint-Event anzuknüpfen, der die Neue 52 seinerzeits eingeleitet hatte. Das ist jetzt auch schon wieder 3 Jahre her (bzw. 2 Jahre für die Leser der deutschen Ausgaben) aber dennoch ein guter Zeitpunkt, um wieder in die Serien einzusteigen, ohne allzuviel Vorwissen zu benötigen.