[Rezi] Pathways #19 – Von untoten Vetteln, Schwarzen Hunden und Artefakten für Metagamer

Pathways #19Für die Bewerbung PFRPG-relevanter Produkte aus dritter Hand gibt es inzwischen mehrere Anlaufstellen, darunter neben Paizos Produktblog vor allem Magazine wie den Kobold Quarterly oder auch das Fanmagazin Wayfinder. Dem Publisher Rite Publishing war das aber wohl noch nicht genug und so gründete man mit den Pathways ein weiteres Magazin, das neben der Bewerbung der eigenen Produkte auch die anderer Kleinverlage unternimmt. Das schöne (und nützliche) daran ist, dass diese Werbung auch in Form von kleineren Artikeln daher kommt, in der die Designer einfach durch die Vorstellung von Material neugierig zu machen versuchen. Selbst wer nicht viel mit Werbung am Hut hat, findet im Pathways also vielleicht Ideenfutter für das eigene Spiel, und da das Magazin kostenlos ist, muss man dafür nicht mehr als die Zeit zum Download aufwenden.

Aktuell ist gerade die Ausgabe 19 erschienen, die ich im Folgenden etwas genauer unter die Lupe nehmen will. Die insgesamt 52 Seiten der PDF teilen sich folgendermaßen auf:

1 Seite Titelbild

1 Seite Vorwort

1 Seite Inhaltsverzeichnis

1 Seite Rechtliches

13 ganzseitige Produktwerbungen

10 Seiten Rezensionen

7 Seiten Interview mit einem Designer

18 Seiten Regelmaterial

Etwas mehr als ein Drittel an reinem Material, 25% für reine Produktwerbung, das scheint mir für ein Werbeprodukt ein durchaus annehmbares Verhältnis zu sein. Aber damit genug zum Aufbau und rein in den Inhalt:

Im Vorwort macht sich Redakteur David Paul ein paar Gedanken über den Wert philosophischer Werke für das eigene Rollenspiel. Auf den ersten Blick wirkt es zwar befremdlich bei Plato, Hobbes und Co. nach Inspiration zu suchen. Aber dann fällt mir ein, dass das AD&D-Setting Planescape sich a durchaus mit tiefgründigen philosophischen Fragen beschäftigte. Und natürlich hat David nicht unrecht, dass nämlich die Utopien dieser Philosophen sich natürlich in fantastische Gesellschaftsformen übersetzen lassen, die etwas anderes sind als die typischen pseudohistorischen Gebilde, mit denen man normalerweise konfrontiert wird.

Steven D. Russel ist der Autor von Rite Publishings Book of Monster Templates (BoMT), einer Art geistigem Nachfolger von Green Ronins Advanced Bestiary. Nicht im BoMT enthalten allerdings ist das Witchfire Creature Template, dass Russell hier in den Pathways präsentiert. Besitzer von Paizos Bestiary 2 werden das Witchfire wiedererkennen, denn dort ist es als HG 9-Kreatur enthalten. Am Hintergrund ändert sich im Vergleich kaum etwas, das hier vorgestellte Template ermöglicht aber natürlich eine viel größere Vielfalt bei der Erstellung solcher untoter Ex-Vetteln.. Das illustriert schon das neben der vollständigen Template-Beschreibung abgedruckte Beispiels-Witchfire (HG 14), das auf der im Pathfinder Modul „The Harrowing“ (das auch übersetzt als „Das Spiel der Türme“ vorliegt) veröffentlichten Mute Hag basiert und auf den ersten Blick schon nach einem sehr unangenehmen Gegner ausschaut, zumal man ihm ja noch nach Belieben ein paar Will ‘o Wisps an die Seite stellen kann.

Ebenfalls als Halloween-tauglich durchgehen kann Black Shuck, eine Version des berühmten schwarzen Hundes von den Adventure-A-Week-Machern Will Myers und Jonathan Nelson. Wieder ein körperloser Untoter, diesmal mit HG 9.

Creighton Broadhurst ist der Chef von Raging Swan Press, ehemaliges Triade-Mitglied für die Living Greyhawk-Region Onnwall und Co-Author z.B. des Monster Manual V (3.5) oder auch des 4E-Abenteuers Madness at Gardmore Abbey. Hier stellt er uns vier Gelehrte vor, an die sich ratlose Spielercharaktere auf Informationssuche wenden können und die neben ihren jeweiligen Fachgebieten vor allem durch ihre ganz eigenen Persönlichkeiten bestechen. Auch reden wir hier nicht von Elminster-gleichen Typen, sondern von recht niedrigstufigen Charakteren, was zum einem ihrem Wissen gewisse Grenzen setzen dürfte, vor allem aber zuverlässig verhindert, dass sie den SC das Rampenlicht stehlen. Ist hier natürlich mehr Fluff als Crunch, aber gerade das macht mir den Artikel so liebenswert.

Mike Welham ist als Paizo Superstar Contest-Gewinner von 2012 bekannt geworden. Mit More Vorawurms setzt er den in der Ausgabe 18 veröffentlichten Artikel um die gefräßigen Würmer mit speziellen Vorlieben fort. Die aktuelle Ausgabe enthält den Stonewurm (HG 9), der sich in erster Linie von Stein ernährt und damit eine Gefahr für jedes entsprechende Bauwerk ist. Fieserweise verfügt er aber auch über ein Gift, mit dem er Angreifer in Stein verwandeln kann, wodurch auch Lebewesen potentielle Opfer darstellen können. Der Runewurm (HG 14) kommt auf den ersten blick zwar als deutlich ungefährlicher daher, könnte aber vor allem Zauberwirkern und Barden ziemlich auf die Nerven fallen, da er sich von geschriebenen Wörtern ernährt, nebenbei aber auch das Wissen und die Intelligenz anwesender Opfer nicht verschmäht.

Nochmal Will Myers versorgt uns in Black Magic mit einigen neuen Zauber rund um die Farbe Schwarz (es handelt sich hier also nicht um Schwarze Magie im landläufigen Sinne). Um ein Beispiel zu nennen teleportiert der Zauber „Back in Black“ den Zauberwirker in die dunkelste Ecke innerhalb der Zauberreichweite und verleiht ihm bis zum Ende der Runde volle Tarnung. Sympathisch wird mir der Artikel allerdings vor allem dadurch, dass er einiges über den Musikgeschmack von Will Myers zu verraten scheint, denn spätestens nach Zaubernamen wie „Black Sabbath“, Black or White“ und „Black Magic Woman“ fängt man auch bei den anderen an zu überlegen, zu welchem Song sie gehören.

Beim nächsten Artikel hats mich schon beim Titel geschüttelt. Dass die Metagame Artifacts von Paizo selbst eingeführt wurden, hat mich sogar ein bisschen entsetzt. Ich bin also sehr voreingenommen an Will McCardells Eintrag herangegangen und fühle mich im Nachhinein auch so halbwegs bestätigt. Das Ziel dieser Artefakte ist es, gerade die Momente wieder ins Spiel zu integrieren, in denen die Spieler gerne mal aus der Rolle gehen, weil es sonst auf Dauer zu langweilig würde oder es auch einfach schwierig ist, Spielerwissen von dem des Charakters zu trennen. Am harmlosesten finde ich dabei den Artificer’s Friend, ein Artefakt, in das man Gold reinwirft und das die für Handwerkskunst notwendigen Materialien wieder herausgibt. Im Prinzip also ein magischer Gegenstand, der etwas erschafft, wenn die notwendigen Materialien (hier: Gold, Juwelen etc.) vorhanden sind. Dann wird’s aber gruselig. Das Birthmark of Perfect Normality erlaubt es dem Spieler, ein exotisches Volk für seinen Charakter zu wählen, der aber trotzdem genauso wie ein Mensch behandelt werden wird. Ich hab gehört, dass diese Geburtsmale neuerdings unter Drow ganz groß in Mode gekommen sind. Auch die Shards of Displaced Monster knowledge finden mein Missfallen, da damit den Spielern das Wissen über ihre Gegner (das ihre Charaktere eigentlich gar nicht besitzen dürften) einfach so schenkt. Der Spellfinder wiederum erklärt, wie der Charakter an das Wissen über Zauber herankommt, die er nach einem Stufenaufstieg aus heiterem Himmel plötzlich besitzt. Und die Statuette of Paraphernalia Inquiry löst das Problem der Identifikation magischer Gegenstände. Man fragt halt einfach den Gnom (so sieht die Statuette aus).

Kurz: Metaspielerische Artefakte lösen ein Problem, das man nur dann hat, wenn man sie benutzt, nämlich Dinge zu erklären, die man gar nicht erklären muss, weil sie außerhalb der Spieltischhandlung stattfinden. Oder sie erlauben es dem Spieler, Wahlen bei der Charakterentstehung zu treffen, die er dann dank der Gegenstände einfach ignorieren kann. Da waren mir ja sogar die Todesritter in WoW lieber, da durften die Einwohner Sturmwinds wenigstens Obst nach ihnen schmeißen.

Schnell zum nächsten Beitrag: Thomas LeBlanc stellt uns in Crossbows Reloaded ein paar neue Armbrust-Optionen vor. Da gibt es die Schleuderstein-Armbrust, mit der man anstatt Bolzen eben mit Schleudersteinen schießen kann. Der Chu Ko Nu ist eine Art Repetierarmbrust, mit der man (abhängig vom GE-Modifikator) mehrere Bolzen pro Runde verschießen kann. Dann gibt’s noch die Scheibenarmbrust, die Chakramähnliche Metallscheiben verschießt, die Mächtige Armbrust, also eine Armbrust in Übergröße. Für die Belted Repeating Heavy Crossbow stand vermutlich ein Maschinengewehr Pate. Dazu gibt’s dann noch eine die Gegenstandsqualität Compound, mit der man Komposit-Armbrüste herstellen kann. Und zwei neue Talente: Die Fähigkeit des Stachelschweins erlaubt den effektiveren Einsatz eines Chu Ko Nu, und mit der Armbrust des Riesen, mit der man noch größere Armbrüste als die Mächtige Armbrust verwenden kann.

Das Interview dieser Ausgabe wurde mit Ryan Costello jr. geführt, der die üblichen 20 Fragen über seinen Werdegang beantwortet und seine Meinung über bestimmte Aspekte der 3PP-Industrie zum besten geben darf. Ich finde das immer sehr interessant (in diesem Fall besonders, weil ich noch gar nicht mitbekommen hatte, dass der beliebte Web-Comic Looking For Group im Moment gerade in ein Rollenspiel konvertiert wird), weil es einem einfach eine schöne Möglichkeit gibt, mal in die Köpfe der Designer zu schauen.

Rezensionen zu rezensieren, speziell wenn man die zugrundeliegenden Produkte gar nicht kennt, wäre wohl ein bissl zu viel des Guten: Ich belasse es daher bei dem Hinweis, dass ich in den Fällen, wo ich den Vergleich habe, recht oft mit dem Rezensenten, Thilo „Endzeitgeist“ Graf, einer Meinung bin. Zudem sind seine Rezensionen sehr ausführlich, geben also einen völlig ausreichenden Einblick in den Inhalt der besprochenen Produkte. Die Endbewertungen halte ich persönlich für etwas zu hoch gegriffen, aber in Zeiten, da 3 von 5 vergebenen Punkte allzuoft als „Schrott“ übersetzt werden, ist es inzwischen wohl gang und gäbe, guten Produkten mindestens 4 von Punkten zu geben.

Besprochen werden jedenfalls:

Raging Swan Press – Dungeon Dressing: Altars (5/5), eine 13-seitige Spielhilfe (6 Seiten eigentlicher Inhalt, Kosten: 1,99 $) rund um das Thema Altäre.

Rite Publishing – Adventure Quarterly #2 (4/5), ein 90-seitiges Magazin (9,99 $) analog zum alten Dungeon, dass je ein niedrig-,mittel- und hochstufiges Abenteuer enthält

Alluria Publishing – Cerulean Seas: Waves of Thought (5/5), die lange ersehnte Fortsetzung des Cerulean Seas Campaign Setting (CSCS), die, wenn sie nur halb so gut wäre wie der Vorgänger, schon jeden der 1495 Cents wert wäre, die man für die 98 Seiten berappen muss. Vorausgesetzt, man mag Psionik, denn im Grunde handelt es sich hier um die Einbindung der Psionikerregeln von Dreamscarred Press in das CSCS. Für mich ein absoluter Pflichtkauf (und nein, ich hab noch nicht reingeschaut, also nehmt das mit ner Prise Salz ^^).

Rite Publishing – 101 Special Materials and Power Components (5/5), mit 5,99 $ für 27 Seiten ein vergleichsweise teures Produkt, Thilo Graf dennoch 5 von 5 Punkten wert. Die speziellen Materialien muss ich wohl nicht erklären, die Machtkomponenten sind Materialien, die man zum Zaubern einsetzen kann und die den Sprüchen ein bissl Extrapower verleihen.

Adventureaweek – C1: Algoran’s Gem (5/5, 4$) ist ein 48-seitiges Abenteuer, das erste aus der C-Reihe, die dem Old-School-Gedanken verhaftet sind. Habe es selber gerade erworben und werde es auch rezensieren, also lass ich die 5/5 Punkte für den Moment einfach mal so stehen.

Rite Publishing – #30 Cursed Treasures (4/5, 23 Seiten, 3,99$) enthält besagte 30 verfluchte Gegenstände, die der Spielleiter sicherlich schöner findet als die Spieler, denen er sie antut.

Insgesamt eine schöne Ausgabe, ich finde es nur schade, dass ich mir das Zeug nicht alles leisten kann. Vielleicht sollte ich mich Rite Publishing auch mal als Rezensent andienen xD.

[Rezi] Dragon Magazine #23 – Neues von Niall, En Garde für Solospieler und ganz viel Krimskrams

Dragon #23Das Cover des dreiundzwanzigsten Drachens zeigt Niall of the Far Travel unterwegs in der Wüste, überragt von der wolkenhaften Erscheinung seiner Mentorin und Geliebten, der Dämonengöttin Lylthia. Schönes Cover, auch wenn ich mich zunächst über Nialls ritterhafte Kleidung wunderte, aber im Rahmen der Kurzgeschichte dieser Ausgabe macht auch diese Kleidung Sinn.

Im Editorial schießt Chefredakteur Tim Kask dann mal wieder gegen die Konkurrenz, diesmal speziell AH und SPI, deren Einflussnahme auf die Organisation der 79er Origins Convention er als selbstsüchtig und schädlich für das Hobby brandmarkt.

George Laking beginnt den Artikelreigen dieses Monats mit En Garde in Solitaire, einer Betrachtung der Eignung dieses Spiels als Solospiel. Das einzige, was seiner Ansicht nach diese Eignung beeinträchtigt, ist das Duellsystem, dass quasi die Mitwirkung eines zweiten Spielers erzwingt. Um diesem Missstand abzuhelfen, entwickelt Laking daher ein würfelbasiertes System, mit dem ein Spieler diese Duelle auch selbst auflösen kann. Dazu benutzt er einerseits die Kampfeffektivität eines Charakters, die sich aus seinen physischen Attributen ergibt und die im Kampfverlauf durch Verwundungen sinkt. Andererseits führt er einen Verteidigungsmodifikator beruhend auf der Expertise eines Charakters ein im Vergleich zu der seines Gegners ein. Die Idee ist nun, dass der Vergleich der Effektivität zweier Gegner die allgemeine Trefferwahrscheinlichkeit positiv bzw. negativ beeinflusst. Liegt ie Summe aus einem Wurf mit Prozentwürfeln und dem Verteidigungsmodifikator im Rahmen dieser Wahrscheinlichkeit, erzielt der Angreifer einen Treffer, dessen Effekt auf der sogenannten Critical Hits Table ausgewürfelt wird. Je nach erlittenem Schaden verschlechtert sich die Kampfeffektivität und damit die Wahrscheinlichkeit auf spätere Treffer.

Wäre durchaus auch ein für Duelle in D&D anwendbares System, wobei da der Schaden modifiziert werden müsste, da Charaktere in En GardeK offenbar über deutlich mehr „Trefferpunkte“ verfügen, als dass in D&D der Fall ist.

In Gardner F. Fox’s Thing from the Tomb ist Niall inzwischen zum Heerführer König Lyrlyr Manakors von Ugrik aufgestiegen. Auf einer Inspektionsreise stellt er fest, dass ein komplettes Garnisonsfort völlig ausgelöscht wurde. Die Hinweise deuten darauf hin, dass die Garnisonssoldaten bei Wassergrabungen auf eine Gruft gestoßen sind und dort ein uraltes Böses aus seinem jahrtausendewährenden Schlaf wiedererweckt haben. Niall wäre nicht Niall, wenn er nicht sofort auf die Suche nach dieser Entität gehen würde. Das Ganze nimmt allerdings eine ungute Wendung, als diese Wesenheit den Spieß herumdreht und vor seinen Augen seine geliebte Lylthia vernichtet, um ihn dann in ihren Dienst zu zwingen.

Wer die alten Geschichten kennt, wird sofort vermuten, dass Lylthia mal wieder in ihre Trickkiste gegriffen hat, was aber der Spannung der Geschichte keinen Abbruch tut. Für mich sind Fox’s Geschichten jedenfalls die Highlights gerade der frühen Dragonausgaben. Wurde Zeit, dass mal wieder eine dabei war.

In Good News For Gaming freut sich Gary Gygax über die explosive Vermehrung von Spieleanbietern im Allgemeinen und Rollenspielanbietern im Besonderen. Da klingt ein bissl Goldgräberstimmung raus, die ist unserem Hobby ja inzwischen ziemlich abhanden gekommen. Schade drum.

Jeff P. Swycaffer bereichert den Kampf zwischen zwei Psionikern in Mind Wrestling um eine Variante, bei der das Hin- und Her des Kampfes graphisch dargestellt wird. Bin nicht ganz sicher, ob das System nicht zu langwierig ist, da ich mich nicht mehr an das Original in Eldritch Wizardry erinnern kann, da der Wettstreit hier aber auch auf Spielerebene stattfindet, hat es seinen eigenen Reiz und wär sicher mal eine Abwechselung.

Water Adventures on the Starship Warden stellt Carl Hurshs Versuch da, Unterwassererkundungen mit vernünftigen Gegnern anzureichern. Dazu bedient er sich recht geschickt der irdischen Meeresflora und -fauna, um daraus mutierte Versionen zu erschaffen, mit denen man seine Spieler piesacken kann.

Michael Mornard hat ein Problem mit den Gewichtsangaben bei Rüstungen und Schwertern. In It Weighs What? zitiert er mehrere Experten, die mit dem Mythos von der Unbeweglichkeit vollgerüsteter Ritter aufzuräumen versuchen.

In der Sorcerer’s Scroll, einem neuen Forum für Designideen und -diskussionen, lässt sich Gary Gygax von früheren Artikeln im 13. und 20. Drachen zu einem System für die Random Generation of Creatures from the Outer Planes inspirieren. Dieses System, so kündigt er an (und so wars dann ja auch), wird auch im AD&D Dungeon Master“s Guide enthalten sein, insoweit kann dieser Artikel schon als Preview für besagtes Buch dienen.

James M. Ward entwickelt in Damage Permanency or How Hrothgar One-Ear Got His Name ein System für permanente Wunden. Und ja, schon damals wurde so etwas eher ablehnend betrachtet, macht sich der Chefredakteur des Dragons doch sogleich daran, die Begründung für dieses System ablehnend zu kommentieren. Wobei die Positionen abhängig davon sind, ob man Trefferpunktverlust auch als Verwundungen interpretieren darf oder ob man es als rein abstraktes Maß für das Kampfesglück sieht. Eine Diskussion, die sich bis heute erhalten hat.

Ward jedenfalls beschränkt sich darauf, sein System dann in Gang zu setzen, wenn ein Charakter nur noch einen oder zwei Trefferpunkte besitzt. Dann wird zunächst der betroffene Körperteil und davon abhängig die genaue Konsequenz des erlittenen Schadens ausgewürfelt. Diese äußert sich allerdings nicht in direkter Beschädigung des jeweiligen Körperteils, sondern drückt sich in wertetechnischen Schwächungen aus. Um ein Beispiel zu nennen: Jemand der am Kopf getroffen wird, könnte eine Sprachbeeinträchtigung erleiden, was regeltechnisch als Charismaverlust umgesetzt wird.

Den Abschluss macht ein ziemlich bescheuerter Artikel von Mark S.Day. In Dungeons and Prisons meint der Autor zwar richtigerweise, dass in einer normalen Welt viele Dungeons gar nicht erst gebaut würden, aber wo sie schon mal da seien, könne man sie ja auch praktischerweise als Gefängnisse für hochstufige Charaktere verwenden, um diese so aus der Kampagne zu entfernen. Auf die einfache Idee, irgendwann das Spiel mit diesen Charakteren zu beenden, wenn man keinen Spass mehr an ihnen hat, kommt er lustigerweise nicht, ist dafür aber überzeugt, dass sein Vorgehen irgendwie besser sei, als wenn der DM die Götter seiner Welt losschickt, um die unliebsamen Superhelden zu eliminieren.

Fazit: Die Niall-Geschichte muss es dieses Mal rausreißen, ansonsten war für mich nicht so richtig was dabei. Krimskrams eben.

[Rezi] Pathfinder Player Companion: Taldor – Echoes of Glory

TaldorAls Paizo seinerzeits die Pathfinder Society einführte, wurden mit einem Schlag fünf Nationen interessant, um die man sich bis dahin nicht sonderlich gekümmert hatte. Andoran, Cheliax, Taldor, Qadira und Osirion stellten die fünf Fraktionen, die innerhalb der Society um die Macht konkurrierten und den Großteil der Agenten der Society stellten. Zeit also, die Spieler mit dem notwendigen Hintergrund zu versorgen, der es ihnen ermöglichen würde, Charaktere aus der jeweiligen Region zu erstellen. Ulisses hat jetzt gerade mit dem Handbuch: Taldor – Nachhall des Ruhms den vierten Band aus dieser Reihe veröffentlicht, und da ich ja eh das alte Format mit dem neuen vergleichen wollte, war das für mich Grund genug, nochmal  in das Buch reinzulesen, dass im Orignal eines der letzten noch für D&D 3.5 veröffentlichten Pathfinder-Bücher war.

Ralph Hoarsleys Titelbild fängt sehr gut einen definierenden Aspekt der taldorianischen Kultur ein. Zwei Kämpfer, beide tragen das Wappen Taldors auf ihrer Uniform, sind in einem tödlichen Kampf miteinander verstrickt, um sie herum ein leichenübersähtes Schlachtfeld. Schon hier wird also deutlich, dass die Taldorianer mehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, als sich um ihre gemeinsamen Feinde zu kümmern. Auf der Innenseite des Rückeinbandes kann man die Illustration in voller Pracht, also ohne die Querbalken des Titelbildes bewundern, wodurch sie nochmals an Dynamik gewinnt. Störend eigentlich nur, dass Hoarsley sich keine Mühe mit den Gesichtern gegeben hat.

Der Inneneinband ist mit einer wunderschönen Karte Taldors geschmückt, für die Rob Lazzaretti verantwortlich zeichnet. Da werd ich immer ein wenig neidisch, solche Karten würd ich auch gerne können.

Die folgenden 13 Seiten widmen sich der Nation Taldor direkt. Die Geschichte Taldors wird kurz angerissen, wobei der Fokus vor allem auf dem Konflikt mit Qadira und dem dadurch verursachten Niedergang des Reiches liegt. Danach widmet sich der Autor Joshua Frost der Geographie Taldors, wobei sowohl die wichtigsten Städte als auch die größeren geographischen Regionen jeweils kurz beschrieben werden. Nach einer kurzen Beschreibung der Ressourcen wie auch der Gefahren Taldors widmet sich Frost dann den internationalen Beziehungen, die natürlich vor allem von der ehemaligen Weltmachtstellung der Nation geprägt sind. Den Abschluss bildet ein kurzer Abriss der politischen und gesellschaftlichen Struktur Taldors sowie eine Beschreibung des taldorianischen Militärs, das nach wie vor große Summen aus der Staatskasse verschlingt.

Bis dahin war alles reiner Fluff. Die folgenden zwei Seiten voler Charaktermerkmale übersetzen diesen Fluff nun in Regeloptionen für Spieler taldorianischer Charaktere.

Das zweite große Thema des Handbuchs ist Oppara, die Hauptstadt Taldors. Wieder steuert Lazzaretti eine schöne Karte der Stadt bei, die auf den folgenden Seiten etwas ausführlicher beschrieben wird. Die einzelnen Stadtbezirke werden dabei ebenso kurz beschrieben wie die wichtigsten Bauwerke und Bewohner der Stadt.

Trotz der Einordnung in die Kategorie Kampf dürfte die Löwenklinge für kampfbasierte Charaktere weniger interessant sein. Bedient werden eher Barden und Schurken, die sich über diese Prestigeklasse als Spione und Assassinen in den Dienst der taldorianischen Krone (aber auch von taldorianischen Nicht-Regierungs-Organisationen stellen möchten. Löwenklingen sind Meister der Tarnung und schaffen es selbst in großen Menschenmengen, sich schnell und unauffällig fortzubewegen. Damit können sie sich ihrem Ziel ungesehen nähern, um dieses mit ihrem hinterhältigen Angriff zu eliminieren.

Die Anhänger Sarenraes haben es in Taldor besonders schwer, da sie mit dem verhassten Feind Qadira in Zusammenhang gebracht werden und ihr Glaube in Taldor daher illegal ist. Kein Wunder, dass sie einige Zauber und Gebete entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, sich gegenseitig zu erkennen und sich vor ihren Feinden zu schützen, ohne dabei gleich tödliche Gewalt anzuwenden.

Als Bild für die Dekadenz der taldorianischen Oberschicht hingegen bilden die magischen Gegenstände, die in der Kategorie Magie veröffentlicht werden. Von Kleiderschränken, die auf Wunsch das passende Outfit herbeizaubern, über laufende Diwans bis hin zu Operngläsern, mit denen man heimlich den Unterhaltungen anderer lauschen kann, reicht die Palette, und manches davon könnte sogar für den geneigten Abenteurer recht nützlich sein.

Die Unterschicht Taldors bilden die sogenannten Bartlosen, die im Prinzip in Taldor keinerlei Rechte besitzen und deren einzige Hoffnung auf Verbesserung ihres Standes der Eintritt ins Militär ist, der mit gewissen Aufstiegschancen verbunden ist. Gewitzt haben sie allerdings einige Fähigkeiten entwickelt, mit denen sie etwas leichter durchs Leben kommen. Entsprechend enthält die Kategorie Gesellschaft einige Talente, die diese Fähigkeiten abbilden und das Wissen darstellen, dass ein Bartloser als Vagabund, Galeerensklave oder auch als Soldat erworben hat.

Und last but not least wird mit Hafenmeister Hallador eine sehr illustre Persönlichkeit vorgestellt, die die ganze Widersprüchlichkeit der taldorianischen Gesellschaft in einer Person vereint. Ein Bartloser und ehemaliger Krimineller und Galeerensklave, der allen Grund hätte, Taldor zu hassen, statt dessen aber eine tiefe Loyalität zu seinem Land verspürt. Was ihn aber nicht daran hindert, Geschäfte mit dem qadiranischen Erzfeind zu ermöglichen, was von vielen seiner Landsleute als Hochverrat eingestuft werden würde, sollte es öffentlich bekannt werden.

Fazit: PFS hin oder her, für jeden Spielleiter, der in Taldor spielen möchte, aber auch für jeden Spieler, der einen taldorianischen Charakter erstellen möchte, ist dieses Handbuch eine äußerst wertvolle Spielhilfe, die voller Ideen steckt und einen guten Eindruck der Nation und ihrer Gesellschaft verschafft. Man mag bemängeln, dass Teile des Buchs auch oder sogar eher an Spielleiter gerichtet seien, was für ein an Spieler gerichtetes Werk eher ungewöhnlich erscheint. Regelfreunde würden sich vielleicht die ein oder andere Regeloption mehr wünschen, aber ansonsten gibt es eigentlich nichts zu meckern, sondern viel, um sich daran zu ergötzen.

Meine Bewertung daher: 4,2/5 Punkten (bzw. 84%).

Achja, und zum Vergleich mit dem neuen Format: Den 14 Rollen, 2 Archetypen, 2 Talenten und 33 Charaktermerkmalen des Varisia-Handbuchs stehen im Taldor-Handbuch 21 Merkmale, 1 Prestigeklasse, 8 Zauber, 10 magische Gegenstände, 8 Talente und 1 NSC gegenüber. Damit schlägt sich das Taldor-Buch also mehr als wacker und dennoch hat man den Eindruck, dass es zusätzlich viel mehr Text, viel mehr Hintergrundinformation enthält. So gesehen scheint die Frage durchaus berechtigt, welchen Mehrnutzen das neue Format der Handbücher überhaupt hat. Vielleicht unterschätze ich ja den Informationsgehalt des Varisia-Handbuchs für einen neuen Spieler, der sich nicht (wie ich) dort schon recht gut auskennt. Aber ehrlich gesagt wünsche ich mir aktuell das alte Format zurück, schließlich gibt es in Golarion noch sehr viele Länder, denen ich auch ein so ausgezeichnetes Handbuch wünsche, wie das Taldorbuch meiner Meinung nach eines ist.

[Rezi] Dragon Magazine #367, Teil 2 – Mike Mearls über magische Gegenstände in der 4E, Gnolle als Spielervolk und Aurils Palast

dr367_realmsloreGreg Bilsland erweitert in Bestiary: Mindless Monstrosities die Welt der Golems und Schleime um je drei neue Exemplare. Wer also nach Abwechslung in seinem Dungeon sucht, findet hier neues Spielzeug, um seine SC ein bisserle zu quälen. Und ja: laaangweilig. Plus: hat meines Erachtens auch nichts in einem an Spieler gerichteten Magazin zu suchen.

Keith Bakers Playing Gnolls lässt sich am besten als Mischung aus Ecology-Artikel und Spielerhilfe beschreiben. Zunächst beschreibt Baker nämlich einfach den Hintergrund der Hyänenmenschen, der im D&D-Universum mit dem im Dragon #364 abgehandelten Dämon Yeenoghu verbunden ist. Zwischen diesem Hintergrund sowie der Verwandschaft zwischen Gnollen und Hyänen baut Baker geschickt ein Spannungsfeld auf, dass auch die Existenz nicht-böser Gnolle ermöglicht. Womit der Weg frei ist, sie auch als Spielervolk zu beschreiben, was den Rest des Artikels ausmacht. Als kleines Schmankerl diskutiert Baker noch die Rolle der Gnolle in seinem Eberron-Setting, und gerade dort passen Gnolle als Spielervolk hervorragend rein. Angereichert wird das Thema noch mit einigen Talenten für solche Gnollcharaktere. Ich muss zugeben: Als ich den Titel des Artikels las, hätte ich nicht gedacht, dass man mir darauf Lust machen könne, aber am Ende der Lektüre kann ich mir tatsächlich vorstellen, einen Gnoll zu spielen. Auftrag erfüllt, Mr. Baker.

Wieder Greg Bilsland, diesmal mit den Class Acts: Primordial Paths. Der sich mit dem Swordmage beschäftigt und es Spielern durch die Präsentation einiger neuer Zauber ermöglicht, einen solchen Charakter zu spielen, der sich auf ein bestimmtes Element spezialisiert hat. Das gaben die im Forgotten Realms Player’s Guide beschriebenen Powers nicht in dieser Reinform her, weil da je nach Element auf verschiedenen Stufen gar keine Auswahlmöglichkeit vorhanden war. Diese Lücken werden hier von Bilsland gefüllt, so dass man nicht mehr direkt dazu gewzungen ist, einen Hybrid-Schwertmagier zu spielen.

In Realmslore: The Hall of the Frostmaiden beschreibt Brian R. James das Reich der Frostjungfer Auril, die ja im Zuge der Zauberseuche einen gewissen Machtzuwachs erfahren hat. Nach einer kurzen Beschreibung des Landes unter ewigem Eis, einem Teil der Tiefen Wildnis (die Halbebene, in der Silvanus und die drei Furien beheimatet sind), wendet sich James dem eigentlichen Palast Aurils, der Winterhalle, zu, um den Artikel mit einem neuen Monster, der Wintervettel, abzurunden. Speziell den ersten Teil finde ich dabei ganz nett, weil man da ein paar nette Ideen klauen kann, ansonsten bin ich ja kein so großer Ebenengänger. Immerhin sind die Ideen aber nicht so überkandidelt, als dass man sie nicht auch in die eigene Welt übernehmen könnte.

Eine neue Folge der Expeditionary Dispatches führt uns weiter nach Eberron, genauer gesagt in des Lost Village of Janus Gull, einem kleinen Ort in den Eldeen-Reichen, dass dem Komplott eines gefallenen Paladins und einer wahnsinnigen Klerikern zum Opfer gefallen und in eine Halbebene verbannt wurde, die nur an einem Tag im Jahr Kontakt zur materiellen Ebene hat. An diesem Tag erleben die Dorfbewohner nochmals die Erlebnisse des Tages der Katastrophe und es ist an den SC, den Fluch zu beenden. Zu diesem Zweck stellt Autor Glenn McDonald neben dem Hintergrund noch einige interessante Bewohner/Besucher von Janus Gull vor und beschreibt kurz die beiden Schurken, auf die die SC im Finale treffen könnten. Liest sich alles ganz gut und lässt sich sicher zu einem schönen Abenteuer ausbauen, wobei mir persönlich geistbegabte Halbebenen, die aus Dankbarkeit für ihre Rettung zu Verbündeten der SC werden, schon wieder zu überkandidelt sind. Muss man ja aber nicht so machen.

In Design & Development: The Evolution of Magic Items diskutieren Andy Collins und Mike Mearls das Design magischer Gegenstände in der 4E. Und ich bin sehr erfreut darüber, dass auch 4 Jahre später meine Meinung darüber sich nicht sonderlich verändert hat. Die Grundidee an sich („keep Magic items simple, make them a small proportion of a character’s power and make their expected progression utterly transparent“) ist ja gar nicht verkehrt, denn das Tannenbaumsyndrom der 3E ist ja nun nicht abzustreiten. Aber die völlige Reduktion dieser Gegenstände auf kleine mechanische Boni (mit Ausnahme von Ringen) treibt den Fehler der 3E, magischen Gegenständen das Besondere zu nehmen, ja nur noch weiter. Und dieses Besondere ist nun eben nicht die Mechanik, sondern der Hintergrund, das Problem ist doch, dass sich magische Gegenstände immer mehr nach Massenware anfühlen. Collins und Mearls weisen selbst (im Zusammenhang mit der ursprünglichen Levelschranke bei Ringen) auf Tolkien’s Einen Ring hin, übersehen dabei aber völlig, dass das Besondere an diesem Ring ja nicht seine Mechanik war (Unsichtbarkeitsringe sind ja auch in D&D nichts Besonderes), sondern seine Entstehungsgeschichte und damit seine Bedeutung für die Handlung. Und daran mangelt es fast allen Standardgegenständen im modernen D&D. Was hab ich früher die Bazaar of the Bizarre-Artikel geliebt, selbst wenn ich die darin enthaltenen Gegenstände nie eingesetzt habe. Und heute schau ich mir die tollen magischen Drow-Gegenstände aus Children of Darkness (s.o) an und hab Mühe, mich dazu überhaupt zu zwingen. Weil sie halt leider ausser Mechanik rein gar nichts zu bieten haben.

Kann man nach D&D süchtig werden? Kann man, wenn man Shelly Mazzanoble heißt und zum ersten Mal die Freuden des Spielleitens erfahren hat. Danach hält sie sich plötzlich für ein Master Mind und geht damit ihrer Umgebung ganz schön auf den Wecker. Kann ich natürlich gar nicht nachvollziehen, aber ich bin meiner Familie auch noch nie so dermaßen mit meinem Hobby au den Keks gegangen. Ey, was soll das Gekichere da hinter mir?

Der RPGA Report beschäftigt sich mit den organisatorischen Vorbereitungen auf das erste Spiel in den LFR, ist also aus heutiger Sicht eher uninteressant. Seinerzeits war er aber sicherlich recht hilfreich.

Und am Schluss beweihräuchert Bill Slavicsek sich bzw. die 4E mal wieder auf eine recht unerträgliche Weise. Jaja, alle waren soooo glücklich über die neue Edition. Und wir anderen haben sie 2008 einfach ignoriert. Hat ihm sicher ne Menge Kritik erspart.

Egal immerhin gibt’s noch als kleinen Vorgeschmack auf das Martial Power -Quellenbuch einen Blick auf den Tempest Fighter, also den TWF-Kämpfer der 4E.

Fazit: Sind schon ein paar schöne Artikel dabei Speziell die drei Völker-Artikel, aber auch die beiden Lore-Artikel zu den Realms bzw. Eberron haben es mir dabei angetan. Bei Shelly Mazzanoble musste ich wie üblich ein paar mal grinsen. Direkt für mein eigenes Spiel war allerdings auf Anhieb nichts drin.

[Rezi] Dragon Magazine #367, Teil 1- Von Epischen Schicksalen, Intelligenten Gegenständen, Genasi und Drow

Dragon #367Ich habs ja schon verraten, aber auch das Titelbild des 367. Drachens legt natürlich nahe, dass die Drow in dieser Ausgabe ein gewisses Thema darstellen. Wobei die Darstellung nahelegt, dass es nicht um die Bösartigkeit der Drow geht. Jedenfalls kämpft er nicht gegen die Guten.

Im Editorial spricht Chefredakteur Chris Youngs ein weiteres Mal über seine Erfahrungen mit dem Wechsel von der Spielleiter- auf die Spielerseite. Insbesondere beschäftigt ihn das Thema Humor, nicht nur als spielerverbindendes Element außerhalb des Spiels, sondern auch als potentieller Ideengeber innerhalb des Spiels. Was ich auch aus Spielersicht durchaus bestätigen kann. Mehr als einmal waren es eher absurde, lustige Momente, die sich stärker auf die Entwicklung meines Charakters auswirkten als irgendwelches episch-heroisches Zeug.

Apropos episch: In Epic Faerun stellt uns Richard Baker drei neue epische Schicksale vor, die speziell für den Einsatz in den Vergessenen Reichen konzipiert sind: den Elfischen Hochmagier, den Legendären Harfner und den Mythischen Herrscher. Beim Elfischen Hochmagier handelt es sich um einen der wenigen Magier, die zu wahrhaft epischer Magie fähig sind, wie sie im Rahmen der Reiche wohl am ehesten durch die fliegenden Städte Netherils oder die Mythale symbolisiert werden. Der Legendäre Harfner hingegen steht im Ansehen der Angehörigen seiner Organisation sogar noch über den Meisterharfnern und stellt quasi die Vollendung der Harfnerideale dar. Und der Mythische Herrscher ist eine Person vom Kaliber Gareth Drachenbanns von Damara oder Azouns von Cormyr.

Speziell das letzte Schicksal illustriert aber auch eines der Probleme, die ich mit dem Artikel im Speziellen und der Behandlung der Settings im Rahmen der 4E im Allgemeinen hatte. Die Idee der 4E war es ja, die Settings so zu behandeln, dass die für ein Setting geschriebenen Materialien auch leicht in anderen Settings benutzbar wäre. Nun ist es ja prinzipiell kein großes Problem, für eine Mechanik einen neuen Hintergrund zu erfinden und sie so in ein anderes Setting zu überführen. Das wäre z.B. beim Legendären Harfner der Fall. Der Artikel geht aber darüber hinaus. Der Elfische Hochmagier passt natürlich sehr gut nach Faerun, aber er würde auch genauso gut in jedes andere Setting passen, in dem elfische Magie eine besondere Rolle spielt. Der Mythische Herrscher nun hat gar nichts Faerun-spezifisches mehr an sich. Legendäre Herrscher als Vorbild für einen solchen Charakter gibt’s eigentlich in jedem Setting. Das stört nun solange nicht, solange man mit den Vergessenen Reichen etwas anfangen kann. Sollte das aber nicht der Fall sein, hat man nun plötzlich eigentlich brauchbares Material umgeben von einem Haufen Zeug, an dem man kein Interesse hat. Was sich sehr negativ auf die individuelle Kosten-Nutzen-Rechnung auswirkt.

Also schnell weiter zu Rodney Thompsons Ecology of the Genasi. Dieser beschreibt im typischen Format dieser Artikel die Entstehung, Lebensweise und Kultur der „Elementarmenschen“. Ich muss jetzt zugeben, nie der allergrößte Fan der Genasi gewesen zu sein, was aber nichts daran ändert, dass der Artikel gut geschrieben ist, und dass es Thompson durchaus gelingt, Interesse an den Genasi zu wecken. Zwischen Level 6 und 9 bewegen sich dann die in der 4E wohl obligatorischen Beispielsmonster, den Flamechaser, den Stormmaster sowie den Tempest.

Logan Bonner diskutiert das Design und die Einsatzweise von Intelligenten Gegenständen im Spiel. Ich selbst bin kein großer Freund von sprechenden Schwertern und dergleichen, da diese zu leicht zu einer Art Spielleiter-SC mutieren können, wovor auch Bonner eine Warnung ausspricht. Will man aber einen solchen Gegenstand in der eigenen Runde anwenden, dann hält der Artikel durchaus einiges an sinnvollen Hinweisen parat wie man bei der Erstellung des intelligenten Gegenstandes vorgehen kann und sollte und was der Unterschied zwischen Intelligenten Gegenständen und Artefakten ist. Das Bonner sich zusätzlich ein paar Gedanken darüber gemacht hat, wie man solche Gegenstände auch bei Erfahrungszuwachs der SCs nützlich erhält oder aber, wie man sie im Falle des Falles geschickt wieder loswird, trägt sehr positiv zur Qualität des Artikels bei. Abgerundet wird dieser natürlich durch einige Beispielsgegenstände wie z.B. der Smaragdäugigen Malaeura, einem vergifteten Langbogen, in dem der Geist einer Rakshasa-hassenden Medusenkönigin steckt.

Robert Schwalb beschäftigt sich mit den Children of Darkness, und wer dabei spontan auf die Drow tippt, liegt natürlich richtig. Was ich davon halte, dass der Artikel mit dem Forgotten-Realms-Logo gekennzeichnet ist, hab ich ja weiter oben schon angedeutet. Jedenfalls ist der Artikel zum größten Teil generisch gehalten und daher für alle Fans der Dunkelelfen interessant. Worum es Schwalb dabei in erster Linie geht, sind die Möglichkeiten, eine/n Drow außerhalb des bekannten Stereotypen zu spielen. Zu diesem Zweck unterscheidet er zwischen verschiedenen Arten des Umgangs mit der eigenen Herkunft sowie verschiedenen Archetypen. Das ergibt zwar hochgerechnet auch nur 12 Möglichkeiten, aber immerhin ist das schon weit mehr, als man typischerweise bei Drowspielern beobachtet.

Als Anknüpfungspunkt für Drowcharaktere beschreibt Schwalb das Horizon Syndicate, eine Dow-Handelsorganisation, die die normale Haltung der Drow gegenüber den Oberweltlern abgelegt hat und daraus ein blühendes Geschäft entwickelt hat. Zwar lässt Schwalb ausdrücklich die Möglichkeit offen, dass hinter dem friedlichen Äußeren finstere Pläne geschmiedet werden könnten, überlässt aber deren Ausgestaltung komplett dem SL.

Womit wir beim Regelteil des Artikels angelangt wären. Nach einer Reihe von speziell für Drow gedachten Talenten folgen ein paar typische Drowgifte sowie einige magische Gegenstände drowscher Bauart. Ein Paragonpfad (der Curseborn) sowie ein episches Schicksal (der Redeemed Drow) runden den Artikel ab.

[Rezi]Dragon Magazine #22 – Dragon & Little War fusionieren und Gary über die Zukunft von D&D

Dragon #22Der zweiundzwanzigste Drache deutet schon mit dem zweiteiligen Cover an, dass sich wieder etwas getan hat. Ab dieser Ausgabe nämlich ist der Dragon mit dem Schwestermagazin Little Wars zusammengelegt, in dem es hauptsächlich um Miniaturen und Kriegsspiele ging. Dadurch wächst der Umfang auf 56 Seiten, wobei dieser Zuwachs für mich eher uninteressant sein dürfte, weil ich mich eben nicht besonders für Miniaturen und Kriegsspiele interessiere.

The First Assassins ist ein historischer Abriss der Geschichte um die Geschichte der Assassinen von Alamut im 11. Jhd. n. Chr. Autor John Brunner scheint dabei recht sorgfältig recherchiert zu haben und wartet mit einer Vielzahl von historischen Details auf, leider, ohne dabei auf die Literatur zu verweisen, die er dazu herangezogen hat. Gut, nun geht’s hier ums Rollenspiel, nicht um Geschichtsforschung. Aber trotzdem gehört das für mich mit dazu, da der interessierte Leser vielleicht tiefer in das Thema einsteigen möchte.

Sieht Gary Gygax wohl genau so, denn bei ihm findet sich in seinem Beitrag Irresistible Force ein solches (wenn auch kleines) Literaturverzeichnis. Seine Beschreibung der Geschichte und der Struktur der Armee der Schweizer Konföderation ab 1291 ist hochinteressant zu lesen , wenn auch natürlich wieder mehr an Kriegs- denn an Rollenspieler gerichtet.

Es folgt der Beginn einer neuen Serie, Armies of the Rennaissance, in deren erstem Teil Nick Mascati erst mal den Status Quo am Ende des hundertjährigen Krieges beschreibt. Auch hier darf ein Hinweis auf die dafür benutzte Literatur nicht fehlen.

Schnell über die beiden Brettspielrezensionen zu Up-Scope und Panzerkrieg hinwegfliegend, lande ich bei einem von Gygax’ berühmt-berüchtigten Rants, in dem er seinen Privatkrieg mit den Betreibern von Amateur-Magazinen fortsetzt. Mir sind die beiden kritisierten Magazine Apprentice und Phoenix unbekannt. Dummerweise verzichtet Gygax auf eine vernünftige, inhaltliches Rezension, sondern hängt sich lieber am schlechten Druck (Phoenix) und der Kritik an D&D/Dragon Magazine (Apprentice) auf. Und das ganze in einem so beleidigenden, möglichst verachtungsvollen Duktus, dass der einzige, der bei dem Artikel am Ende schlecht wegkommt, Gary Gygax selber ist.

Die periodisch im Dragon abgedruckte Liste kontaktbereiter Spielleiter ist inzwischen auf über 500 Einträge angewachsen und nimmt inzwischen 9 Seiten ein. Auch eine Art, den Platz vollzubekommen.

Wir sind auf Seite 29 angelang, und nun wird’s endlich auch für D&D-Spieler interessant. In Dungeons & Dragons – What It Is And Where It is Going resümiert Gary Gygax die bisherige Entwicklung und gibt einen Ausblick darauf, wie er sich die weitere Entwicklung des Spiels vorstellt. Gygax beginnt mit seiner Einschätzung der Gesamtzahl der Spieler (~150.000) und der Angabe, dass sich das Spiel ca. 4.000mal pro Monat verkaufe. Wohlgemerkt, wir schreiben das Jahr 1979 und noch für 1975 geht Gygax von gerade mal 4000 im Umlauf befindlichen Exemplaren aus, woran man schön erkennen kann, wie die Popularität des Spiels in diesem Zeitraum geradezu explodiert ist. Diese Popularität zeige sich auch an den vielen Interviews, in denen er inzwischen von verschiedenen Medien zu dem Phänomen D&D befragt werde, und in denen er zu erklären zu versuche, was dieses Spiel denn eigentlich ausmache. Für ihn liegen die Schwerpunkte auf kooperativem Spiel, der Möglichkeit zur Exploration und ihrer narrativen Darstellung durch Spielleiter und Spieler. Damit erklärt Gygax sich auch die wachsende Popularität des Genres der Rollenspiele. In der Realität wären die weißen Flecken auf der Landkarte zusehends am Schrumpfen und mache die zunehmende Technisierung das Erleben von Abenteuern immer schwieriger. Das Reich der Phantasie biete quasi unbegrenzten Raum für beides und habe daher einen natürlichen Appeal für die Menschen.

Allerdings seien dem Wachstum von D&D durch die Zugänglichkeit (wie leicht kommt man an das Spiel?) und Schwierigkeitsgrad (wie steil ist die Lernkurve?) Grenzen gesetzt. Mit dem Basic Set habe man daher versucht, maximale Zugänglichkeit mit minimalem Schwierigkeitsgrad zu verbinden um damit das Spiel für potentielle Millionen von Spielern interessant zu machen. Wobei Gygax sich darüber im klaren ist, dass es nicht möglich sein wird, die Regeln so stark zu vereinfachen, dass man die Popularität eines Blockbusters wie Monopoly erreichen könne.

Interessant finde ich Gygax’ Haltung zur Frage neuer Auflagen. Er steht nämlich der Haltung, dass Veränderung gleichzusetzen mit Verbesserung sei, recht skeptisch gegenüber. Zwar ist ihm als Verkäufer klar, dass sich mit dieser zunehmend in der Gesellschaft verankerten Einstellung massiv viel Geld machen lasse („From a standpoint of sales, I beam broadly at the very thought of an unending string of new, improved, super, energized versions of D&D being hyped to the loyal followers…“), aber als Spieledesigner sieht er das etwas differenzierter. Zwar geht er nicht soweit, D&D im aktuellen Zustand als perfekt zu betrachten; er glaubt aber auch nicht, dass das Spiel so „unperfekt ist, dass es ständiger Verbesserung (in größerem Rahmen) bedarf“ und geht daher eher von gradueller Weiterentwicklung des Systems als von revolutionär neuem Design aus.

Wo er allerdings noch großen Raum zur Weiterentwicklung sieht, ist im Bereich der Computerspiele. Und angesichts des Jahres wird es hier geradezu visionär, denn 1979 war vom Siegeszug der Personal Computer noch keine Rede. Das Computerrollenspiele einst eine wichtige Rolle spielen würden, war damals noch nicht im geringsten abzusehen.

Gygax endet mit der Bemerkung, dass seine Kolumne als Startpunkt eines öffentlichen Forums gedacht sei, auf dem Designer und Spieler ihre Gedanken zu umstrittenen Bestandteilen des Spiels austauschen, Fehler und mögliche Verbesserungen identifizieren und Regelvarianten vorstellen könnten. Die Inklusion der Spielermeinungen, die ja heute im RPG-Design das große Ding ist (öffentliche Beta-tests und co.) hatte er also auch damals schon als wertvoll erkannt, wenn auch die fehlende Internettechnik den Meinungsaustausch deutlich erschwerte.

Sehr schöner Beitrag, der einige Wahrheiten enthält, die wohl auch heute noch ihre Gültigkeit haben.

Es folgt ein Stück Werbung, dass ich als einigermaßen ärgerlich empfinde, da es von der Aufmachung her wie ein normaler Magazinartikel wirkt. Normale Werbung blende ich (sofern es mich nicht interessiert) automatisch einfach aus, und dass mir das hier nicht gelingt, hat mich dann doch sehr geärgert. Geschickt gemacht, klar, aber auch so ziemlich die beste Methode, mich als Kunden zu vergraulen. Worum es geht: um ein Brettspiel namens 4th Dimension, eine Art Schach, bei der man zwischendurch Figuren vom Brett verschwinden lassen und zu variablen Zeitpunkten wieder draufsetzen kann. Hätte mich wahrscheinlich sogar zum Lesen animiert, wenn es als Rezension dahergekommen wäre.

Gary Gygax hat das Thema AD&D in seinem Artikel angesprochen gehabt, jetzt kommt die dazugehörige 9-seitige Sneak Preview auf den anstehenden AD&D Dungeon Master’s Guide, die neben einer auflistenden Beschreibung einiger magischer Gegenstände auch diverse Kampfrelevante Matrizen enthält.

Dann wird’s wieder rantig, und natürlich ist es wieder EGG, der offensichtlich einfach nicht weiß, wann er besser mal die Klappe halten sollte. Richard Berg hat in SPI Hausmagazin Strategy & Tactics scheinbar eine weniger als unterwürfig-positive Rezension des AD&D Player’s Handbook verfasst, und anstatt die scheinbar vorliegenden inhaltlichen Fehler richtigzustellen, muss Gygax natürlich wieder persönlich werden und nicht nur gegen Berg, sondern gleich auch gegen SPI insgesamt vom Leder ziehen. Vorhin hat Gygax sich noch gegen die Unterstellung verwahrt, der Dragon würde schamlose Selbstverehrung betreiben und darauf bestanden, dass das Magazin völlig unabhängig von der Elternfirma TSR operiere. Und dann schreibt er in einer Ausgabe gleich zwei Beiträge, die das Gegenteil beweisen. Ach, wenn er nur geschwiegen hätte…

Über den nächsten Artikel von Josh Gosling, Stalemate at Kassala, gehe ich einfach hinweg. Darin geht’s um die Ablaufsbeschreibung einer Kriegsspielrunde, und weder Interesse noch Wissen reichen aus, um darüber etwas substantielles zu sagen.

Schnell zu etwas erfreulicherem: Finieous Finger lässt sich auf seinem Weg zum Drachenhort schnell noch von einem kleinen grünen Wesen namens Grollum einen Ring der Unsichtbarkeit andrehen. Dummerweise ist das Wesen so echt wie der Ring, was sich zu einer feurigen Überraschung ergibt, als er die Drachenhöhle erreicht. Denn da ist inzwischen auch Cousin Megatroid eingetroffen.

Und noch einmal Gary Gygax, diesmal wieder von seiner besseren Seite. In The Nomenclature of Pole Arms entwickelt er ein Kategorisierungs- und Benennungssystem für die Vielzahl von Stangenwaffen, die sich im Mittelalter entwickelten. Ohne Experte zu sein (also ohne zu wissen, wieviel davon originär und wieviel schon in anderen Quellen enthalten war, liest sich de Artikel durchaus sinnreich, auch wenn für das Rollenspiel an sich wahrscheinlich die Grundformen völlig ausreichend sind.

B1-In Search of the Unknown ist das diesmal beworbene Abenteuermodul aus eigenem Hause. Wie ich insgesamt eh den Eindruck hatte, dass der Werbeanteil am Magazin durchaus mit dem Umfang gewachsen ist. Das mag aber täuschen, und ich hab keine Lust nachzuzählen.

Fazit: Man möchte sagen: zuviel Gygax. Es macht einfach keinen guten Eindruck, wenn ein Magazin, dass ständig seine Unabhängigkeit betont, den Chefdesigner zu oft zu Wort kommen lässt und die behandelten Themen nur einseitig beleuchtet (sprich keinen Platz zur Gegenrede einräumt). Auch gefällt mir die Vereinigung mit Little Wars nicht so recht, weil mein Interesse natürlich in der Hauptsache dem Rollenspiel gilt. Das die Wargame-lastigen Artikel allerdings durch die Bank weg interessant waren, ist vor allem meinem historischen Interesse zuzuschreiben. Direkte Inspiration für mein eigenes Spiel fand ich jetzt nicht, aber von der Qualität an sich her, sind die Artikel durch die Bank weg besser als die vieler Vorgängerausgaben. Insoweit also ein schönes Heft, aber leider nichts für mich.

[Rezi] Pathfinder Player Companion – Varisia: Birthplace of Legends

VarisiaAnlässlich der GenCon 2012 kündigte Paizo unter anderem an, einer ihrer Produktreihen ein kräftiges Lifting zu verpassen. Es handelt sich um die Player Companion-Reihe, die ab sofort wieder monatlich erscheinen soll und deren Inhalt wohl noch besser auf die Interessen der Spieler abgestimmt sein soll, als das zuvor schon der Fall war. Der erste dieser neuen Companions ist inzwischen erschienen und beschäftigt sich, passend zum neuen Shattered Star-Adventure Path mit Varisia, Birthplace of Legends. Das ist auf der einen Seite schön, da Varisia sich seit dem Start des Pathfinder-Universums besonderer Beliebtheit erfreut, trägt aber auch die Gefahr mit sich, auf ausgelatschten Pfaden zu wandern und bereits behandelte Themen ein weiteres Mal zu präsentieren.

Das dynamische Titelbild zeigt die beiden Vorzeige-Iconics Valeros und Seoni im Kampf mit einem alten varisischen Bekannten, dem Teufel von Sandspitze. Der Höllenfeuerodem des Teufels und Seonis Blitze sorgen für die nötigen Special Effekts. Michal Ivan war mir bisher kein Begriff, hier passt er sich aber gut in den Paizostil ein, ohne dabei abzukupfern.

Auf dem Innencover sind die Stammesgebiete der Shoanti auf der Karte Varisias eingezeichnet, zusätzlich erhalten wir noch Informationen über die sieben Quahs (Nationen): Welche Tätowierungen sind für die jeweilige Quah typisch, was sind ihre Haupttotems, und welche Domänen bzw. Mysterien wählen ihre Kleriker und Mystiker? Hier wird auch schon ein Unterschied zu den alten Companions deutlich, der sich durch das ganze Buch ziehen wird, und von dem ich fast hoffe, dass es nicht der neue Stil sein wird. Das Layout wirkt nämlich deutlich zweckmäßiger und gleichzeitig moderner, dafür aber auch unästhetischer und weniger individuell. Ich finde diese grünen Balken jedenfalls schrecklich, aber das mag Geschmackssache sein. Mein spontaner Gedanke war allerdings: Oh nee, machen die jetzt einen auf 4E oder was? Da die Verantwortlichen für das Äußere aber dieselben sind, die mir schon viel Freude gemacht haben, bin ich vorerst gewillt, dass als eines der typischen Paizo-Experimente anzusehen.

Der nächste Unterschied wird ersichtlich, wenn man sich das Inhaltsverzeichnis betrachtet. Zwar gibt es immer noch ein alle Inhalte verbindendes Oberthema, aber teilte sich das in den alten Ausgaben auf 6-7 Artikel auf, sind es hier gleich 16 Einträge, was schon andeutet, dass zugunsten größerer Themenvielfalt dem Einzelthema nicht mehr so viel Platz eingeräumt werden wird. Auch das eine Änderung, die mir nicht unbedingt behagt, da ich persönlich Artikel bevorzuge, die etwas mehr in die Tiefe gehen. Die Inhalte im Einzelnen sind:

For Your Character: Auf 2 Seiten werden kurz die regeltechnischen Inhalte des Companions indiziert und verschiedenen Themen zugeordnet. So kann beispielsweise ein Bardenspieler direkt zu den Seiten blättern, die für ihn vielleicht besonders interessante Optionen enthalten. Außerdem wird mit den Rollen ein in etwa den Charakterthemen der 4E vergleichbares Konstrukt eingeführt, wobei im Gegensatz zur 4E das Thema nicht mit festen Regeloptionen (die Features) verbunden ist. Statt dessen werden einfach nur, teils neue, teils bereits bekannte Regeloptionen genannt, die besonders gut zu der jeweiligen Rolle passen. Außerdem gibt es noch kurze Hinweise, wie man denn einen solchen Charakter ausspielen könne.

Welcome to Varisia: Wieder 2 Seiten mit einer kurzen Beschreibung der Geographie und der Einwohner Varisias, bevor dann die Völker im Einzelnen in Bezug zu dem Land gestellt werden.

Shoanti/Varisians: Kurzbeschreibung der jeweiligen Ethnie, der im Volk gebräuchlichen Namen und ein paar typische Redewendungen. Dazu je zwei neue Charaktermerkmale und je zwei der bereits genannten Rollen. An dieser Stelle fällt auf, dass die Chelaxianer als die dritte große Ethnie in Varisia hier völlig ignoriert werden. Für mich eine der Schwächen des Buchs.

Battle in Varisia: Zwei neue Talente, und zwei neue Archetypen: Der Kapenia Dancer ist ein Archetyp für den Magus, der auf den Kampf mit varisischen Klingenschals spezialisiert ist. Und der Thundercaller, eine shoantische Bardenvariante, deren Name durchaus Programm ist.

Magic & Faith in Varisia: eine kurze aufzählende Beschreibung der Magierakademien in Varisia sowie der Religionen, die in Varisia dominant sind. Keine Regeln zu dem Thema.

Equipment in Varisia: Hier werden die bereits aus dem Kampagnenbuch bzw. den früheren Player’s Guides bekannten Gegenstände aufgelistet und beschrieben, die einen speziell varisischen Hintergrund besitzen

Für mich der Leckerbissen ist wohl die wunderbar gezeichnete, auch für den direkten Einsatz im Spiel geeignete Landkarte Varisias. Im Vorwort wurde auf das Shattered Star Map Folio hingewiesen, wo diese Karte als Poster Map enthalten sei. Ich interessiere mich für die Map Folios sonst nicht so, aber in diesem Fall komme ich tatsächlich ins Grübeln.

Auf den nächsten Seiten folgen je zweiseitige Beschreibungen der drei großen Städte in Varisia (Magnimar, Korvosa und Riddleport), gefolgt von einseitigen Beschreibungen Janderhoffs und Kaer Magas. Diese enthalten neben der Beschreibung jeweils neue Charaktermerkmale und Rollen, die speziell für Charaktere aus der jeweiligen Stadt geeignet sind. Sandpoint and other Settlements gibt einen kurzen Überblick über die restlichen größeren Örtlichkeiten Varisias, auch hier wieder ergänzt durch etwas generischere Merkmale und Rollen.

Bei den Campaigns in Varisia hab ich mich zunächst gefragt, was denn bitteschön die Produktwerbung für SL-Produkte in einem Spielerbuch zu tun hat. Da geht es nämlich auf 2 Seiten um die vier alten APs, die bereits komplett oder teilweise in Varisia spielten. Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht, denn tatsächlich gibt es hier noch ein paar Kampagnenmerkmale, mit denen die Spieler ihre Charaktere besser in die jeweilige Kampagne einpassen können. Ich halte es trotzdem für Werbung, aber wenigstens geschickt gemachte.

Und natürlich darf auch der neue Shattered Star-AP nicht fehlen. Auch hier werden auf 2 Seiten neben ein paar allgemeinen Tips bzgl. der Grundthemen der Kampagne mehrere Kampagnenmerkmale für die Spielercharaktere bereitgestellt. Und da es hier hauptsächlich darum geht, den SC einen Kontakt zur Pathfinder Society zu geben, sind die sogar außerhalb dieses Aps einsetzbar, ohne viel am Hintergrund ändern zu müssen.

Die letzte Seite ist dann wieder der offenen Werbung gewidmet, wobei das insoweit in Ordnung geht, als die beworbenen Produkte jeweils einen deutlichen Bezug zu Varisia haben. Nur einer davon richtet sich allerdings direkt an den Spieler, insoweit ist das wieder so eine Sache.

Ach ja und das Rückseiten-Innencover verzeichnet wieder auf einer Karte Varisias die traditionellen Wanderrouten der varisischen Nomaden und fasst in einer kleinen Tabelle die Entfernungen (sowie die Reisezeit je nach Geschwindigkeit) zwischen den größeren varisischen Städten zusammen.

Fazit: Für alle Spieler, die es zum ersten Mal mit Varisia zu tun bekommen, stellt dieser Companion eine sehr schöne, wenn auch recht knappe Einführung in diese Region und ihre Bewohner ein. Für erfahrene Spieler und Spielleiter enthält das Buch aber inhaltlich/hintergrundtechnisch wenig Neues. Teilweise ist das Material sogar redundant, denn die typisch varisianischen Ausrüstungsgegenstände sehen wir ja nicht erst zum ersten Mal. Die „Rollen“ als Ideengeber halte ich zwar für eine sehr schöne Idee, zumal da auch Regelmaterial außerhalb des Grundregelwerkes angesprochen wird, aber die Verweise zielen natürlich auf bereits bekanntes Material, wer diese Art der Hilfe nicht braucht, wird damit auch nicht so viel anfangen können.

Bleibt also das neue Regelmaterial, dass aus 2 Archetypen, 2 neuen Talenten und einer ganzen Reihe (etwas mehr als 30) Charaktermerkmalen besteht. Das halte ich zwar (ohne genau hingeschaut zu haben) für durchaus brauchbar und auch sehr schön mit dem Thema Varisia verbunden, aber dennoch stellt sich mir hier die Frage, ob man das wirklich braucht

Man merkt, ich stehe dem neugestalteten Companion etwas gespalten gegenüber. Allerdings sehe ich das Produkt natürlich auch immer als Spielleiter, und an diese ist das Produkt nun mal nicht gerichtet. Aber auch als Spieler wären mir etwas tiefergehende Artikel lieber gewesen als kurze, knappe und mit viel Regeloptionen angereicherte 2-Seiter.

Dennoch: Es wäre wohl unfair, aus der falschen Perspektive heraus eine zu schlechte Bewertung zu geben, zumal auch ich als SL die Rollen durchaus als Templates für eigene NSC verwenden kann. Für Spieler, die einen in Varisia verwurzelten Charakter erstellen möchten, enthält der Companion einiges an Ideen- und Regelmaterial und da die Autoren je nach Thema ganz offen auf weiterführendes Material verweisen, ist er wohl auch als Einstieg in das Thema Varisia durchaus nützlich. Ich würde es daher mit 3.7/5 Punkten oder 74% bewerten wollen. Und Leser, die deutlich mehr auf Regelmaterial stehen als ich, können da sicher noch ein paar Prozentpünktchen drauftun.

[Rezi] Adventure-a-Week . Crypt of the Sun Lord

crypt_sun_lordKürzlich bin ich eher zufällig über eine Seite namens http://Adventureaweek.com gestolpert, die mir bis dato völlig unbekannt war. Dem Namen treu ist es das Ziel der Betreiber, in jeder Woche ein neues Abenteuer zu veröffentlichen. Dazu bedienen sie sich unter anderem aus dem Autorenpool der Paizo Superstar-Teilnehmer, was die Sache für mich natürlich interessant macht. Und da die Abenteuer sowohl für 3.5 als auch für Pathfinder geschrieben sind und, obwohl generisch einsetzbar, alle in einer gemeinsamen, auch auf dieser Seite vorgestellten eigenen Kampagnenwelt spielen, hab ich kurzerhand mal das aktuelle Angebot genutzt, mich als Trial Member angemeldet und mir die beiden ersten veröffentlichten Abenteuer runtergeladen. Das erste hab ich mir inzwischen auch etwas genauer angeschaut.

The Crypt of the Sun Lord ist ein Abenteuer der 1. Stufe für 4-6 Spielercharaktere, in dem die Verfolgung eines diebischen Goblins die Helden in ebendiese Krypta führt. Eigentlich ist damit der Plot des Abenteuers auch schon zur Genüge beschrieben, der Rest besteht aus der Erkundung der Krypta, womit das Abenteuer letztlich nicht mehr als ein kleiner Dungeon Crawl ist. Dennoch umfasst die downloadbare PDF-Datei 28 Seiten, also fast den typischen Umfang eines 32-seitigen Pathfinder-Modules, was sofort die Frage aufwirft, wo denn der ganze Platz hinverschwunden ist.

Die Antwort ist allerdings sehr einfach: Zum einen ist das Abenteuer sehr professionell gestaltet, inkl. Cover und Back Cover, Credits und der nötigen OGL. Zum anderen widmen sich etwas mehr als 4 Seiten dem Kampagnenhintergrund und der stimmungsvollen Einführung der Spieler in das Szenario. Und zum dritten sind auf 6 Seiten die enthaltenen Gegner mit vollen Spielwerten sowohl für D&D 3.5 als auch für das PFRPG (5 Seiten) und die neben den Begegnungs-XP zu erhaltenden Erfahrungspunkten (1 Seite) gewidmet. Bleiben also für das eigentliche Abenteuer noch 14 Seiten über, und das passt dann schon besser.

Ok, über den Inhalt will ich gar nicht soviel verraten. Neben dem Goblin-Dieb und seinen beiden Kumpanen bekommen es die SC vor allem mit den untoten Wächtern der Krypta zu tun, die das Grab des Sonnenfürsten schützen. Außerdem wäre so eine Krypta nichts ohne Fallen, also gibt es auch davon die ein oder andere.

Diese Fallen sind auch eine der Stärken des Abenteuers; per se handelt es sich dabei zwar um Standardfallen, doch wurden sie so geschickt in das Szenario eingebaut, dass es den Spielern kaum gelingen wird, sie alle zu entschärfen, bevor sie Schaden anrichten können. Das standardmäßige Fallenfinden per Suchen/Wahrnehmung wird hier also nur eingeschränkt funktionieren.

Eine weitere Stärke sind die atmosphärischen Beschreibungen sowohl des Kampagnenhintergrundes als auch der Krypta und ihrer Bewohner selbst. Keine Zufallsmonster, sondern immer eine Begründung, warum der jeweilige Gegner sich in der Krypta aufhält.

Positiv vermerke ich auch das Layout. Die Autoren benutzen ein System von Kästen und Icons, die regelrelevante Anteile des Abenteuers schön vom Rest des Textes abheben und gerade die oft überlesenen Fertigkeitswürfe kaum übersehbar illuminieren. Und dass z.B. die Originalquellen der Gegner per Hyperlink in das Dokument integriert wurden, halte ich durchaus für ein Plus, selbst wenn die Spielwerte im Anhang eh wieder aufgeführt werden.

Das größte Plus aber sind die Illustrationen und Karten, die in dem Abenteuer enthalten sind. Das ist auch kein Wunder, ist doch Todd Gamble ein recht bekannter Name im D&D-Universum, 3-maliger Ennie-Gewinner, mehrfacher Gewinner des Origin-Awards und unter anderem für die Karten in den 3.5-Grundregelwerken verantwortlich. Der zweite Illustrator im Bunde, Indy-Comic-Zeichner Tim Tyler, ist zwar bei weitem nicht so bekannt, aber auch seine Zeichnungen sind durchaus sehenswert.

Leider verstecken sich im Abenteuerdesign auch die ein oder andere Schwäche. Das beginnt mit der für mein Gefühl teilweise umständlichen Satzstellung des Autors, die mich immer wieder beim Lesen stocken lässt, weil sich der Text so merkwürdig anhört. Allerdings ist er nicht unverständlich, nur nicht immer so präzise, wie man das von professionellen Abenteuerschreibern gewohnt ist.

Möglicherweise schlimmer ist eigentlich, dass das Abenteuer sehr stark geskriptet ist. In der Setting-Einführung haben die SC rein gar nichts zu tun außer dem Sermon des Spielleiters zuzuhören und auch der eigentliche Auslöser der Kryptenerkundung wird nur dann reibungslos funktionieren, wenn diese ihre Möglichkeiten nicht nutzen (dürfen). Kaum vorstellbar, dass der Diebstahl sonst so einfach über die Bühne ginge. Vielleicht ist das gar nicht so relevant, weil der Eingang zur Krypta ja kaum zu übersehen ist, aber dennoch hätte man das sicher geschickter gestalten können. Und was schlägt der Autor vor, wenn die Spieler nicht drauf eingehen wollen? Naja, dann begegnen sie halt einem Schwarzbären. Warum auch immer.

Und Apropos Diebstahl: Das Diebesgut muss natürlich für den Bestohlenen wertvoll genug sein, damit dieser überhaupt hinterherrennt. Allerdings reden wir hier von Stufe 1-SC mit ihrer Grundausrüstung, hier bestünde also ein gewisser Bedarf zu Vorarbeiten, was im Abenteuer aber nicht einmal vorgeschlagen wird. Statt dessen darf sich der SPIELLEITER einen für den SPIELERCHARAKTER persönlich wertvollen Gegenstand ausdenken und diesem mitteilen, ohne dass der Spieler etwas mitzureden hätte. Da wird dieser sich sicher freuen.

Dann darf man sich durchaus zu Recht fragen, ob die im Abenteuer zu gewinnenden Schätze für Stufe 1-SC nicht vielleicht ein bissl viel zu wertvoll und damit balancegefährdend sind. Speziell der Hauptpreis, ein geringeres Artefakt, dürfte vom Wert her schon ausreichen, dass die SC sich zur Ruhe setzen können. Immerhin schienen sich die Designer dessen bewusst zu sein und machen diverse Fähigkeiten des Artefakts von der Stufe der SC abhängig. Aber selbst in der Grundform ist es eigentlich nichts, was man einem Stufe 1-Charakter in die Hand drücken sollte.

(Ansonsten gefällt mir das Artefakt aber sehr gut, hat es doch so ein bissl was von meinen geliebten magischen Gegenständen aus der AD&D-Ära, in der diese noch Namen hatten und gerne als Einzelstück gefertigt waren; es hat halt nur nichts in einem Stufe 1-Abenteuer zu suchen).

Weiter ist mir aufgefallen, dass die Spielwerte nicht immer ganz regelkonform zu sein scheinen. Ich vermute, dass es sich dabei um Absicht handelte, aber es führt halt zu nicht 100% korrekten Spielwerten. Was mich persönlich nicht stört, zumal ich auf so etwas normalerweise kaum achte.

Eher schmunzeln musste ich hingegen bei der Auflistung der Abenteuer-XP. Da gibt es welche für das Erreichen bestimmter Spielziele, aber auch welche dafür, dass die Spieler bestimmte Aufgaben am Tisch übernehmen (Kartenzeichnen, Schatzverwaltung u.ä.). Und (an dieser Stelle bitte entsetzt aufstöhnen) XP für gutes Charakterspiel gibt es auch 😛

Fazit: Da die Krypta des Sonnenfürsten wohl als Proomoabenteuer für die komplette Linie galt und daher von Anfang an gratis erhältlich war, muss sich der Wert auch an diesem Preis messen lassen. Und für lau kann man ganz bestimmt nicht meckern. Der Kern des Abenteuers, die Krypta selbst, gefällt mir durchaus und ist auch schön beschrieben. Der enthaltene Hintergrund macht mich durchaus neugierig, mehr über das Setting zu erfahren und die Karten und Illustrationen sind von wirklich hoher Qualität. Allerdings muss man beispielsweise im Shop bei Paizo 5$ dafür hinlegen, und da bin ich dann doch froh, mich direkt auf der Seite der Macher als Trial Member angemeldet zu haben, um es mir erst mal für lau anzuschauen, denn mit einem durchschnittlichen Pathfinder Society Scenario (und die kosten nur 4§) kann es dann doch nicht mithalten. Vielleicht ein unfairer Vergleich, da Paizo ganz andere Möglichkeiten hat, aber mein Geldbeutel ist leider begrenzt.

Immerhin hat es mich neugierig genug gemacht, um mir auch das zweite kostenfreie Abenteuer anzuschauen und danach vielleicht sogar 10$ in ein Monatsabo zu investieren. Die Abenteuer sind nämlich auch als web-page gestaltet abrufbar und mit besagten 10$ hätte ich auf alle Abenteuer Zugriff und könnte dann entscheiden, ob das durchaus erkennbare Potential sich mit zunehmender Praxiserfahrung auch in entsprechende Qualität umsetzt (Plus zugriff auf das Kampagnensetting, dass mich durchaus interessiert; plus Download von 2 Abenteuern). Und die Wertungen späterer Abenteuer von Endzeitgeist (aka Thilo Graf, aus dem „Pathways“-Magazin bekannt) lassen solches durchaus vermuten, insoweit will ich jetzt gar nicht zu kritisch klingen.

Aufgrund der Qualität der Karten und der durchaus brauchbaren Krypta vergebe ich 3,5/5 Punkten (oder 70%).

[Rezi] Dragon Magazine #21 – Auf der [Rail Baron] Eisebahne…

Dragon #21Das Titelbild stammt dieses Mal aus dem Pinsel von Paul Jacquays und zeigt zwei Barbarenkrieger im Kampf gegen einen Weißen Drachen. Passend zur Winterausgabe, wenn es auch ansonsten nichts mit dem Inhalt der Ausgabe zu tun hat.

Im Editorial beugt Tim Kask schon einmal einem möglichen Aufschrei der Leser vor, zum einen, indem er zu begründen versucht, warum der künftige Spieleklassiker (sic!) Rail Baron eigentlich ja auch ein Fantasyspiel sei, zum anderen, indem er mit den gestiegenen Papierkosten schon mal künftige Preissteigerungen begründet.

David Weselys Search for the Nile Revisited: Designer Notes, Addenda, Clarifications & Response habe ich zugegebenermaßen nur überflogen. Gary Gygaxs Vorstellung des Spiels in der Vorausgabe fand ich zwar durchaus interessant, aber ohne die Regeln vorliegen zu haben, kann ich mit Weselys Kommentaren nicht allzuviel anfangen.

Wohlige Gedanken weckt dafür die folgende ganzseitige Werbung für das Modul S1: Tomb of Horrors. Müsste man eigentlich mal wieder spielen, wenn nur die heutige Spielergeneration nicht nur aus solchen Weicheiern bestünde *ducktsichschnellweg*.

The Other Humorous Side of D&D: or, You Don’t Kill too Many Charakters, Do You? Ist als Antwort auf einen früher erschienenen Artikel zu verstehen, der sich mit den Dummheiten beschäftigte, die Spieler während einer Spielrunde so machen. Diesmal geht es um einen Spielleiter, der dem Wort „Willkür“ eine ganz neue Bedeutung verleiht. Was Autor Mike Crane daran so lustig findet, erschließt sich mir allerdings nicht. Aber vielleicht soll das ja auch nur Satire sein (man mag sich gar nicht vorstellen, dass es so einen Torfkopp wirklich geben könnte).

Brian Blume entwickelt in What do you call a 25th level Wizard (A: whatever he wants) ein System, mit dem man den mächtigen NSCs seiner Welt mit möglichst blumiger Titel-und Namensgebung die notwendige Bedeutung zuweisen kann. Ist jetzt gar nicht so weit hergeholt, würde heutzutage aber wohl auch eher zu Gelächter als zu Ehrfurcht führen.

S. List rezensiert das Fantasy-Strategiespiel Dragonlords. Und sonst fällt mir dazu echt nichts ein.

Cure For the „Same-old-Monster“ Blues aus der Feder von Wm.(?) Callison wäre heute ein völliger Anachronismus, denn Callisons Idee, sich bei der Monsterwahl an Mutter Natur zu orientieren, ist inzwischen ja längst verwirklicht worden. Und auch damals gab es das ja offensichtlich schon, denn merkwürdigerweise bringt der Autor als Beispiele ausschließlich bereits bekannte D&D-Monster, während er neuere, vielleicht originellere Ideen lieber für sich behält (behauptet er wenigstens). Und dennoch: Der Verweis darauf, dass die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt auch für das Spiel noch viele unerforschte Möglichkeiten beinhaltet, ist natürlich auch heute noch zeitgemäß. Und so enthält der Artikel dann doch das ein oder andere Beispiel, dass man durchaus auch heute noch zur Überraschung seiner Spieler einsetzen könnte. Fallgrubenspinnen in einem Dungeon hab ich jedenfalls nocht nicht ausprobiert.

Willie Callison (vermutlich der selbe Autor wie gerade eben) zeichnet auch für Inflation in D&D??? verantwortlich, in dem er sich über den Wertverlust von Goldstücken, magischen Gegenständen und Trefferpunkten in Kampagnen auslässt, in denen der Spielleiter damit zu verschwenderisch umgeht. Da hat er zwar einen Punkt, aber statt eine echte Lösung anzubieten, beleidigt er lieber die anderen Spielleiter, die noch keine dafür gefunden haben und outet sich damit als einen der vielen Wichtigtuer, mit denen man es ja auch heute noch zu tun bekommt, wenn man sich in ein beliebiges Rollenspielforum begibt. Kaum vorstellbar, dass ein solcher Artikel heute noch Veröffentlichung fände. Manchmal hat PC halt auch ihr gutes. 😉

Wie man das besser macht, zeigt David Schroeder in seinem Artikel Prophet Proofing or How to Counter Foretelling Spells, in dem er ganz konkrete Hinweise gibt, wie man der Nutzung solcher Zauber durch die Spielercharaktere gewisse Grenzen oder Hindernisse entgegensetzen kann. Obwohl ich persönlich ja der Meinung bin, dass die einfachste Lösung einfach die ist, diesen ganzen Divinationskram einfach nicht zu nutzen.

Ronald Pehr beschäftigt sich in Sensible Sorcery mit der Erforschung neuer Zauber. Der Hinweis, sich dabei an den bekannten Standardzaubern zu orientieren, um Missbrauch durch die Spieler zu vermeiden, ist sicher auch heute noch gültig, auch wenn meinem Empfinden nach das aktive Erforschen eigener Zauber heute kaum noch eine Rolle zu spielen scheint (kein Wunder bei der Menge an verfügbarem Material).

Zwei kleine, aber ganz nette Begegnungstabellen für Boot Hill steuert Robert Wagner bei. Ohne das Spiel genau zu kennen, sehen sie so aus, als würden sie dieses um eine Möglichkeiten für Charakterspiel bereichern.

Auch sehr nett sind Rod Stewards zwanzig Encounters with Personality.Dabei handelt es sich um 20 NSC quer durch alle Stufenbereiche, denen der Autor neben den reinen Werten auch noch eine kurze Charakterbeschreibung hinzufügt. Diese sind zwar teilweise nicht ganz ernst zu nehmen, aber zumindest für Gruppen, die das ebenso halten, können sie durchaus für den ein oder anderen lustigen Moment sorgen. Der allerdings schnell in tödlichen Ernst umschlagen kann (wenn man beispielsweise den Gnoll nicht mit Süßigkeiten besticht).

Olympica ist ein Kriegsspiel aus der Microgames-Reihe von Metagaming, in der zwei Spieler gegeneinander antreten. Inhalt ist ein Konflikt zwischen der irdischen UN und dem „Netz“, einer Art Kollektivverstand, der die Marskolonie übernommen hat. T.Watsons Kritik fällt recht positiv aus, zumal die Designer Paul Jacquays für das Artwork gewinnen konnten, es also wohl auch ganz schön gestaltet ist.

The Hall of Mystery von Don Turnbull ist ein kleiner, recht gradliniger Dungeon, den Turnbull in seiner eigenen Runde verwendete und hier nun der Öffentlichkeit präsentiert. Wenn ich nichts vergessen habe, ist das hier sozusagen das erste Modul, dass im Dragon veröffentlicht wurde.

Es folgt die versprochene Rezension von Rail Baron, vorgenommen von keinem anderen als Gary Gygax höchstpersönlich. Leider interessiert mich das Thema an sich nicht die Bohne, weswegen ich es einfach nicht über mich bringen konnte, reinzulesen.

Interessanter ist da schon die Ausschreibung der International Dungeon Design Competition, die endgültig die Ära der Abenteuermodule im Magazin einläuten sollte.

Es folgt eine weitere Rezension, wieder von S.List, und dieses Mal interessiert mich das Spiel doch deutlich mehr. In Greg Staffords King Arthur’s Knights macht man sich von Camelot auf die Reise, um nach vielen überstandenen Fährnissen der Erhebung zum Ritter der Tafelrunde würdig wieder dorthin zurückzukehren. Das ganze ist kartenbasiert und hört sich zumindest mal recht abwechselungsreich an.

In That „other“ Dungeon stellt Timothy Jones die optionalen Regeln vor, die auf der 11. Gen Con während des offiziellen Dungeon!-Turnieres Anwendung fanden. Neue Klassen, Gegenstände und Monster, das wars auch schon.

Zur Silmarillion-Rezension von T. Watson muss ich auch nicht viel schreiben. It’s another triumph. So schreibt er, und damit hat er auch völlig recht. Muss man eigentlich eh gelesen haben.

Monty Strikes Back stellt den vorerst letzten Eintrag aus James M.Wards Kampagnenjournal dar. Und dieses Mal gibt’s von Monty richtig was auf die Glocke. Am Schluss sehen wir die „Helden“ von bunten Ranken in einen Tank gezogen, und danach folgt The End?.

Bei Finieous Finger wird ein Fischer in den Kampf zwischen Paladin und Drachen verwickelt. Und verwickelt seinerseits den Drachen in sein Netz. Außerdem lernen wir Skraigs Cousin, Mergatroid den Missgeleiteten kennen, sozusagen den Harry Potter unter den Drachen (er trägt jedenfalls dieselbe Brille).

Fazit: Mal wieder eine interessantere Ausgabe mit großer Themenvielfalt bei angenehmer Artikelkürze. Nach mehreren eher zähen Ausgaben hatte ich zur Abwechselung mal wenig Mühe, mich durchzulesen. Abgesehen von Rail Baron.

[Rezi] Chubby Monster Games – Waypoint #0

Chubby Monster Games ist ein noch junges Unternehmen, dessen bekanntestes Mitglied wohl Kartenzeichner Matt Jackson sein dürfte. Ziel der Produktreihe „Waypoints“ soll es sein, dem interessierten Spielleiter Örtlichkeiten vorzustellen, die er leicht in seine eigene Spielwelt einbauen kann. „The Village of Cowfold“ ist das erste Produkt aus dieser Serie und kann kostenlos bei Drivethru heruntergeladen werden.

Das Produkt besteht in der Hauptsache aus vier Teilen: einer sehr einfach gehaltene Schwarz-Weiß-Karte im typischen Stile Matt Jacksons, auf der das Dörfchen sehr übersichtlich dargestellt wird, einer Ortsbeschreibung aus der Sicht eines durchziehenden Reisenden, einer ausführlichen Beschreibung wichtiger Örtlichkeiten und Bewohner Cowfolds sowie einer kleinen Auflistung möglicher Abenteuerideen, die ihren Ausgang in besagtem Örtchen nehmen können.

Die Karte hat wie angedeutet einen eher oldschooligen Charakter, was aber völlig ausreicht, um einen guten Ersteindruck des Dörfchens zu verschaffen. Schön ist, dass bei den späteren Ortsbeschreibungen der jeweils relevante Kartenausschnitt nochmals abgedruckt wird, weswegen die Autoren darauf verzichten können, die Karte mit Gebäudenummerierungen zu verschandeln, sie also auch als Handout für die Spieler geeignet ist.

Die Fluff-Beschreibung ist vielleicht ein wenig zu langatmig geraten, lässt sich aber gut lesen und vermittelt schön den Eindruck eines sehr friedlichen kleinen Örtchens, in dem alles völlig in Ordnung zu sein scheint (ein Eindruck, der ein kleines wenig trügt, wie der Leser noch erfahren soll).

Den Hauptteil bildet die Beschreibung der verschiedenen Gebäude und ihrer Bewohner. Bei letzteren hat man zwar den Eindruck, als wären sie auf einer Zufallstabelle ausgewürfelt worden und dann einfach in Reihenfolge aufgezählt worden (was einen wenig inspirierten Eindruck hinterlässt). Ansonsten ist die Beschreibung aber gut zu lesen und mit vielen kleinen Details angereichert, die die Örtlichkeiten und ihre Bewohner zum Leben erwecken. Teilweise werden noch Abschnitte angefügt, die unter dem Titel „Geheimnisse“ einen Blick hinter die doch sehr idyllische Fassade erlauben und andeuten, dass hier nicht alles so schön ist, wie es auf den ersten blick ausschaut.

Den Abschluss macht die Sektion „Story Hooks“, in der drei Abenteuerideen aufgelistet werden, die teilweise Bezug auf die genannten Geheimnisse nehmen, diese allerdings keinesfalls ausschöpfen. Das wirkt nicht perfekt durchorganisiert, zumal das für mich interessanteste Geheimnis hier gar nicht auftaucht; allerdings wird dieses im vorangegangenen Abschnitt ausführlich genug beschrieben, so dass es nicht unbedingt hier wieder aufgelistet werden muss.

Fazit: Alles in allem ein gelungener Erstling, der seinen Zweck durchaus erfüllt. Das Dörfchen ist detailliert genug beschrieben, dass man es direkt in die eigene Welt übernehmen kann, dabei aber generisch genug, dass man nicht allzuviel (wenn überhaupt) abfeilen muss, um es für die eigene Welt nutzbar zu machen. Und auch wenn es auf den ersten Blick wenig für Abenteurer interessant zu sein scheint, enthält es durchaus den ein oder anderen Anknüpfungspunkt, die man zu kurzen, möglicherweise sogar längeren Abenteuern ausbauen kann.

Und als kleines Schmankerl seien die enthaltenen Preislisten erwähnt, auf denen man auch so ausgefallene Dinge wie den Preis für einen Becher Milch oder verschiedene Brotsorten findet. Ich liebe so etwas, dafür gibt es von mir also einen kleinen Bonus.

Mein Interesse an der Reihe ist jedenfalls geweckt, und wenn sie in Zukunft tatsächlich noch, wie auf ihrer Homepage versprochen, noch die Spielwerte der enthaltenen Charaktere für verschiedene Regelsysteme (darunter auch Pathfinder) veröffentlichen, dürfte der Nutzwert sogar noch weiter steigen. Auf drivetrhu hab ich es jedenfalls mit 4 von 5 möglichen Punkten bewertet, was angesichts des „Preises“ durchaus angemessen erscheint. Für lau kann man sich hier wirklich nicht beschweren.