2×101 = Gedankenfutter

MusingsIch liebe Listen.

Am liebsten in Form von Zufallstabellen, aber reine Begriffslisten tun es auch. Ich lasse mich gerne inspirieren, und während das normalerweise von Abenteuern und Quellenbänden erledigt wird, ziehe ich es manchmal vor, meine Gedanken einfach von einer solchen Liste in Schwung bringen zu lassen. Dass die auf diese Weise entstehenden Ideen komplett ausgearbeitet werden müssen, empfinde ich dabei durchaus nicht als Nachteil. Der in anderen Quellen existierende Kontext kann die eigene Kreativität manchmal in Bahnen lenken, die schon von vorneherein andere Ideen ausschließen, auf die man sonst vielleicht gekommen wäre. Zumal (und das mag nur mir so gehen) man die eigenen Ideen unwillkürlich mit der Vorlage vergleicht, was zu unnötiger Unzufriedenheit führen kann, wenn man dabei schlechter abzuschneiden glaubt.

Begriffslisten fehlt dieser Kontext, der oben beschriebene Scheuklappeneffekt kann also gar nicht erst eintreten. Außerdem kann es zu sehr spannenden Ergebnissen führen, wenn man der eigenen Kreativität einfach mal freie Bahn lässt. Chris Kentlea scheint da eine ähnliche Einstellung zu haben, wie er mit seiner unter dem Label Ennead Games erscheinenden 101 Series beweist, von der inzwischen 2 Ausgaben vorliegen, die ich mir natürlich prompt mal angeschaut habe. “101 Locations” und “101 Potions, Elixirs and other drinks” sind tatsächlich nichts weiter als alphabetisch und thematisch geordnete Sammlungen von Namen, die so ein Ort oder Trank besitzen könnte. Die Auswahl reicht von recht dämlichen bis hin zu durchaus evokativen Namen, ist also vielleicht eher für Spielleiter geeignet, die den Ernst auch mal einen guten Mann sein lassen können. Aber einem geschenkten Gaul (die etwa 8 Seiten langen PDFs kosten nämlich nichts) schaut man auch nicht zu genau ins Maul, wer also prinzipiell Verwendung für solche Sammlungen hat, sollte ruhig mal einen Blick rein werfen.

Und ich würfel in der Zeit einfach mal auf beiden Listen und überleg mir was zu den beiden Ergebnissen “Park of Blood” und “Drink of the Ballards”. Ich hab auch schon eine Idee.

Und was mach ich nun damit? – Ideen aus dem Kobold Quarterly #2

MusingsIch hab ja manchmal komische Ideen und eine dieser Ideen, die schon recht alt ist, ist die, das man von dem Rollenspielmaterial, das man so liest etwas Handfesteres zurückbehalten sollte als nur ein paar schöne Lesestunden und eine etwas schwammige Inspiration. Leider bin ich aber nicht der Typ, der sich alles für später in sein Notizbuch einträgt, weswegen ich ziemlich oft beim Lesen zwar Ideen entwickele, diese aber nicht weiterverfolge. Es fehlt eben der Niederschlag in etwas Handfestem.

Zeit also, sich mal an einer konkreten Umsetzung zu versuchen, und nachdem ich ja gerade den zweiten Kobold gelesen habe, soll der mir als Grundlage dienen. Was hat mich besonders interessiert, was hat meine Ideenmaschine in Gang und (*trommelwirbel*) kann ich das vielleicht sogar zu einem Abenteuer (oder wenigstens einer Abenteueridee) zusammenfassen?

Fasse ich also erst mal die Bestandteile des Magazins zusammen, die für so einen Plan nützlich sind (bzw. die ich dafür halte). Als da wären:

  • Belphegor, der Höllenfürst der Faulheit und seine Komfortteufelchen
  • Gustable Arondur, Besitzer der Herberge „Zum zerbrochenen Rad“ (dazu gleich mehr)
  • Assassinen
  • Barghests
  • Jeff Grubbs System der Adeligen-Stufen ehrenhalber

Für mich nicht direkt inspirierend (sprich ich weiss noch nicht, was ich damit anfangen soll):

  • ein untoter Drache
  • Greifentürme
  • Paladine mit Alternativfertigkeiten

Im Zentrum meiner Überlegungen steht dabei Gustable Arondur, der von Ed Greenwood so schön mit kurzen Sätzen und Fragen beschrieben wurde:

  • Arondur, der bei feuchtem Wetter humpelt und ächzt
  • Elfen mit Ehrfurcht und rothaarige Frauen mit Verlangen betrachtet
  • Arondur, der die Soldaten in der Armee des Königs verachtet, obwohl er selbst die uniform trug, als noch dessen Vater regierte (und warum spricht er nicht über diese Tage)
  • Arondur, der alle drei Herbergen UND das Bordell der Stadt besitzt und dennoch einfache Kleidung trägt und nicht mehr als unbedingt nötig ausgibt; was macht er mit all dem Geld?
  • Wer sind die maskierten Frauen, jedes Jahr im Winter nachts in die Stadt reiten, um Arndur zu treffen, und ihn bei ihrer Abreise erschüttert und grau im Gesicht zurücklassen?
  • Arondur, der Bücher in Sprachen lesen kann, die die Händler, die sie ihm verkaufen, nicht einmal aussprechen können?
  • Arondur, der unverheiratet ist aber ein ausländisches, blindes Mädchen, dem die Zunge aus dem Mund geschnitten wurde, in seinem Schlafzimmer wohnen lässt (und das Gerüchten zufolge mit seltsamen Tätowierungen bedeckt ist, die sich zu bewegen scheinen).

(So und was Ihr als Leser natürlich nicht sehen könnt, ist, dass es jetzt einen Tag später ist und ich quasi ein privates Brainstorming veranstaltet habe).

Und das Ergebnis in Form einer

Zusammenfassung des Abenteuers:

Kurz bevor die Abenteurer nach Einbruch der Nacht das Städtchen Yonder erreichen, überraschen sie einen Barghest, der gerade dabei ist, sich an der Leiche einer gerade ermordeten jungen Frau gütlich zu tun. Nachdem sie die Bestie vertrieben oder erschlagen haben, finden sie bei der Leiche der jungen Frau einen Brief, der an August Berronald gerichtet ist, den einstigen Reichsverweser des Königreiches, und diesen vor einem Mordanschlag warnt, der von Thorder in Auftrag gegeben wurde.

Die SC müssen Berronald ausfindig machen und dabei helfen, den Angriff auf sein Leben abzuwehren.Dieser erweist sich als dankbar, zögert aber, sich den Rebellen anzuschließen. Um ihn zu überzeugen, erklären sich die SC bereit, den sagenumwobenen Greifenturm inmitten des aufzusuchen, in dem Berronald ein Mittel vermutet, mit dem er den Archon der Gerechtigkeit heilen kann, mit dem er in göttlichem Bund verbunden ist.

Der Greifenturm wird von einem jungen Dracolich bewohnt, in dessen Hort sich das Heilmittel befindet. Die SC müssen sich einen Weg in den Turm bahnen, der von einer Familie von Greifen gehütet wird, und die untoten Wächter innerhalb des Turmes überwinden, bevor sie sich letztendlich dem Drachen gegenübersehen, der ihnen das Heilmittel nicht freiwillig überlassen wird.

Anmerkungen:

Interessanterweise scheint es sich so zu entwickeln, dass viele der oben aufgezählten Elemente eher im Hintergrund auftauchen und gerade die Elemente, die ich gar nicht so inspirierend fand, plötzlich recht zentrale Rollen im Abenteuer einnehmen. Andererseits gehen meine Ideen inzwischen auch schon über ein einziges Abenteuer hinaus. Irgendwann gestern fiel mir plötzlich der Film Dragonheart ein, was ja gut zu Arondurs Verhältnis gegenüber altem und neuen König passen würde. Was aber wenn König Thorder ein Lich wäre und der Dracolich aus dem Abenteuer durch das die beiden verbindende Ritual unfreiwillig zu Thorders Phylakterium geworden wäre? Was, wenn Ritter Bowen (ähm Paladin Berronald) das zu verhindern gesucht hätte, wobei der mit ihm verbundene Archon (die hab ich übrigens wegen ihrer roten Haare gewählt xD) verunstaltet worden wäre (das wäre dann die junge Frau in seinem Schlafzimmer).

Es wäre also durchaus ein kleiner Kampagnenbogen vorstellbar, in der die SC als kleine Stufe 1-Charaktere in die Reihen der Rebellen aufgenommen werden, für diese verschiedene Aufträge übernehmen (Stufen 2-4), die in obiges Abenteuer (da stell ich mir gerade so Stufe 5 vor) einmünden.

Mit der Heilung der Archontin würden die Rebellen dann schlagartig die Unterstützung Berronalds gewinnen, der damit zu ihrem Anführer und Symbol wird. Und jetzt kommen die Assassinen ins Spiel. Die haben nämlich eine irgendwie geartete Verbindung zu Berronald (die Frauen, die ihn jährlich besuchen) und befinden sich in einem tödlichen Konflikt mit einer Diebesgilde, die von einem Barghest angeführt wird und letztlich unter Thorders Kontrolle stehen. Den Assassinen zu helfen hieße also nicht nur, Verbündete zu gewinnen, sondern auch, den bösen König zu schwächen, den man dann letztendlich mit vereinten Kräften angreifen und (hoffentlich) besiegen könnte.

Der Weg wäre frei für König August I. Und sicherlich würden dabei auch ein, oder zwei Ehrenstufen in der Adeligen-Klasse für die SC abfallen.

Ach so, und falls es jemand bis hierher geschafft hat und irgendeine Idee hat, wie man eines oder mehrere dieser Elemente besser umsetzen könnte, dann nur her damit. Ich klau auch gerne von euch. Speziell die Verbindung zwischen Assassinen und Berronald ist ja doch mehr als geheimnisumwittert.