[Musik]10 Years – (How to Live as) Ghosts

Eine meiner Welten, über die in diesem Blog bisher noch viel zu selten die Rede war, obwohl ich damit inzwischen wahrscheinlich wieder mehr Zeit verbringe als mit dem Thema Rollenspiel, ist die Welt der Musik. Um genauer zu sein, die Welt der gitarrenlastigen Musik, also, alles was man irgendwie in die Kategorie Rock/Metal einordnen könnte. Als Kind der 80er bin ich vor allem der NWoBHM, dem Speed und Trash Metal und dem Power Metal deutscher Bauart verbunden, habe aber inzwischen mein Repertoire in Richtung extremen Metal deutlich erweitert, und bin umgekehrt auch klassischem Rock wieder deutlich mehr zugetan als das früher der Fall war. Und nachdem ich Mitte der 90er eigentlich komplett aufgehört hatte, irgendetwas neues zu hören, habe ich da eine ganze Menge nachzuholen und zu entdecken.

Den Anfang machen 10 Years, eine seit 1999 bestehende US-amerikanische Alternative Rock/Metal-Band, über die ich einfach durch die Kurzrezi im aktuellen Metal Hammer gestolpert bin (neben YouTube und Spotify sind der Hammer und die RockHard die Hauptquellen für meine Erkundungsreisen). Die Band gibt’s also schon etwas länger und eine Kurzrecherche im Netz zeigte, dass sie zumindest in den USA auch den ein oder anderen Achtungserfolg erzielte, mir war sie bis dato aber völlig unbekannt. Dass ihre neue Scheibe, (How to live as) Ghosts, von Nick Raskulinecz produziert wurde, der mir durch seine Zusammenarbeiten mit den Foo Fighters, Alice in Chains und dem letzen Album von Korn ein Begriff ist, machte mich neugierig genug , um in das Album mal reinzuhören, zumal ich in dem Genre immer mal wieder Bands finde, die ich ganz gerne höre. Und was soll ich sagen, nach kurzfristiger Irritation beim ersten Reinhören läuft die Scheibe bei mir in Heavy Rotation, für mich hat sich der versuch also durchaus gelohnt.

Meine Irritation rührte zunächst von der manchmal etwas zittrigen, für mich durchaus gewöhnungsbedürftigen Stimme von Sänger Jesse Hasek und der Tatsache her, dass die ersten Songs von der Struktur stark an traditionellen Radio Rock erinnern, während ich natürlich etwas mehr Härte und etwas mehr Grunge erwartet hatte. Dazu kommt, dass der Opener „The Messenger“ für mich der vielleicht schwächste Song des ganzen Albums ist, ich also vom Start zunächst etwas enttäuscht war. Auch die Singleauskopplung „Novacain“ hat ein, zwei Durchläufe gebraucht, bis ich mich dafür erwärmen konnte.

 

Dann aber geht’s los, und ein starker Song folgt dem nächsten. Catacombs und der Titelsong des Albums haben mich direkt erreicht, und während die Songs mehr Richtung Rock als Metal gehen, versrprühen sie durch die Bank weg eine gewisse Melancholie, mit der man mich eigentlich immer kriegen kann. Blood Red Sky begeistert mit seiner wunderschönen Gitarrenmelodie, die mich ein klein wenig an Chasing Cars, den Megahit von Snow Patrol aus dem Jahre 2006 erinnert, allerdings sehr schnell an Fahrt aufnimmt. Was durchaus ein beobachtbares Muster der meist recht kurzen Songs (etwa 3-4 Minuten) ist: Einem eher langsamen Beginn folgt ein rockiger, dynamischerer Refrain, spätestens danach sorgt das klug eingesetzte Schlagzeug für den notwendigen Groove.

Das wunderbare „Halos“ und das balladeske „Lucky You“ halten das Niveau bis zum Schluss hoch und der Abschlusssong „Insomnia“ erweist sich mit dem nötigen Punch als würdiger Rausschmeisser.

Wer auf melodischen, oftmals melancholischen Alternative Rock steht, sollte hier ruhig ein Ohr riskieren, ich hab jedenfalls eine Band entdeckt, deren ältere Werke ich mir sicher auch mal anhören werde.