RPG-Blog-o-Quest #54

MusingsEigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes machen, musste aber unbedingt noch schnell meinen Blog-Feed durchschauen und bin dabei an Greifenklaues Eintrag hängen geblieben. Und da ich schon wieder viel zu lange nichts gepostet habe, gehe ich doch einfach frisch ans Werk:

F1. Kinder im Rollenspiel:

Finde ich generell uninteressant, zumal ich mit schwertue, für meine Lieblingsgenres Szenarien vorzustellen, in denen das Sinn machen würde. Ausnahme wäre wahrscheinlich ein Harry Potter-Rollenspiel oder etwas ähnliches, da hat man es in den Büchern allerdings nur ganz am Anfang (wenn überhaupt) noch mit Kindern zu tun. Ich muss aber auch zugeben, dass der Stranger Things-Hype bisher komplett an mir vorbeigegangen ist, das könnte meine Meinung vielleicht ändern. Und nein, ich hab noch nicht.

F2. Wie gefallen dir Alternate History Szenarien und was hast du da schon gespielt?

Zählen Shadowrun. Cthulhu und World of Darkness? Dann die, ansonsten beschränkt sich mein Kontakt zu Alternate History eher auf die Lektüre entsprechender Romane. Liegt nicht mal am grundsätzlichen Desinteresse, sondern eher daran, dass ich dafür wohl zu detailverliebt bin, und es mich als sehr historieninteressiertem Menschen wahrscheinlich extrem frustrieren würde, wenn die Spieler auf entsprechende Details so gar keinen Wert legen. Um ehrlich zu sein, gilt das schon für reine Fantasysettings, aber da die eh erfunden sind, fällt es mir leichter, Unstimmigkeiten oder Abweichungen zu akzeptieren.

F3. Thematische Gruppen:

In solchen Gruppen gespielt oder für sie geleitet hab ich noch nicht, fände es aber prinzipiell interessant, speziell wenn die Gruppe ein wenig gegen das Setting/Abenteuer gebürstet wäre. Ob das mechanisch interessant wäre, hinge wohl vor allem von der Art der Gruppe ab. Klassenbasierte Systeme, wie ich sie bevorzuge, gehen im Normalfall von einer Gruppe aus, bei der die verschiedenen Talentbereiche von unterschiedlichen Charakteren abgedeckt werden. Eine Gruppe, deren Mitglieder alle aus einer Klasse stammen, brächte da grundsätzlich schon ein paar Herausforderungen mit sich.

Mich würde aber eher der storytechnische Aspekt interessieren. Ein Team von Soldaten oder Agenten, die Crew einer Mannschaft, Mitglieder einer gemeinsamen Organisation, die deren Interessen vertreten müssen.

F4. Abstieg nach Avernus: Reizt dich ein Ausflug in die Unterwelt?

Ich bin ein großer Fan des Ebenensystems als einer Möglichkeit, das (D&D)-Universum zu erklären, in das eine Welt eingebettet ist (und das erklärt, wo die ganzen fiesen Monster und sonstigen Schurken herstammen, mit denen ein Held es tagaus, tagein zu tun hat. Gleichzeitig bin ich relativ wenig daran interessiert, diese unterschiedlichen Ebenen zu besuchen, falls das irgendwie Sinn macht. Das liegt aber auch daran, dass solche Besucht normalerweise erst für Helden einer höheren Stufe Sinn machen (also in dem Bereich, in dem ich mich eher nicht aufhalte. Gerade den Abyss bzw. die Hölle nehme ich gerne als Vorlagengeber für Plots in meiner Kampagnenwelt, aber da geht es eben um den Einfluss, den Teufel und Dämonen auf die Kampagnenwelt nehmen und den Kampf gegen ihre Anhänger, nicht um den direkten Konflikt mit ihnen.

Es gibt ein paar Ausnahmen, die man thematisch mit dem Begriff „Feenwelten“ umschreiben könnte. Planescape finde ich als Setting ebenfalls großartig. Gegen Stippvisiten hab ich auch nichts einzuwenden. Abstieg nach Avernus könnte ebenfalls eine Ausnahme sein, da hier mit den Vergessenen Reichen, dem Blutkrieg und dem Spiel auf niedrigeren Stufen gleich 3 Elemente zusammenkommen, die mich durchaus interessieren. Ich habe es aber noch nicht gelesen, und bin prinzipiell nicht allzu sehr von der Qualität der D&D-Module begeistert. Bei DtA haben aber immerhin gleich 4 Autoren mitgewirkt, die ihr Handwerk bei Paizo gelernt bzw. verfeinert haben, da erhoffe ich mir natürlich etwas besseres als sonst.

F5. Star Trek vs. Aliens:

Für mich gar keine Frage, I‘m a Trekkie for life. Und selbst wenn ich mich nicht entscheiden muss, lasse ich ein Aliens-RPG wohl eher links liegen, das Setting interessiert mich nun mal so gar nicht. Ehrlicherweise gebe ich aber auch zu, dass ich mich in den nächsten Jahren nicht als Spieler oder Spielleiter eines Star Trek-RPGs sehe. Ich hab einfach nicht mehr die Zeit und Energie, um mehr als ein Setting zu bedienen, und der Platz ist schon besetzt.

F6: Bonus-Frage:

Lass ich offen. Das ist jetzt das zweite Mal, dass ich überhaupt bei der Blog-O-Quest mitmache (und das erste Mal war 2018), von daher weiß ich auf Anhieb gar nicht, ob ich überhaupt interessante Fragen hinbekäme, zumal ich inzwischen eher beobachtender als aktiver Teil der Szene bin (ich bin so Out of the Loop, dass ich erst mal googeln musste, was die Tales from the Loop überhaupt sein sollen, ganz zu schweigen von den anderen in Frage 1 genannten Spielen, die schon so klingen, als wollte ich sie gar nicht kennen ^^). Frag mich nochmal, wenn ich es schaffen sollte, mal über mehrere Monate hinweg dem Format treu zu bleiben.

Die RPG-Blog-O-Quest im Oktober: No-Gos am Spieltisch

wormyDen RPG Carneval kenne ich ja sowohl in seiner englischen als auch der deutschen Version, über die RPG-Blog-O-Quest bin ich aber erst kürzlich eher zufällig gestolpert. Und habe spontan entschieden, dass das auch ein schönes Format ist, an dem ich mich versuchen möchte. Die Oktoberfragen dieses Monats kommen von Jaegers.net und haben es ganz schön in sich.

  1. Gibt es Menschen, mit denen Du nicht gemeinsam an einem Spieltisch (egal ob physisch oder virtuell) sitzen möchtest? Welche sind das und wie gehst Du damit um? (Keine Namensnennung …)

Das ist ja schon mal eine Frage, die nach zwei Antworten verlangt. Es gibt nämlich zwei Gruppen von Menschen, mit denen ich nicht gemeinsam an einem Tisch sitzen möchte. In die erste Gruppe fallen Spieler, die einen mir komplett entgegengesetzten Spielstil pflegen. Die das Spiel als Wettkampf zwischen Spielleiter und Spielern betrachten, denen die Mechanik vor allem anderen geht, die für narratives, charakterzentriertes Rollenspiel nur Verachtung übrig haben und in deren Runden ein normal gebauter, nur wenig optimierter Charakter keine Chance hat, weil alle anderen so hochgezüchtet sind, dass der Spielleiter gar nicht anders kann als mit entsprechenden Herausforderungen zu kontern. Oder auch einfach Spieler, die unbedingt böse Charaktere spielen wollen.

Wohlgemerkt, hier geht es mir nur um den Spielstil, nicht um die Menschen dahinter. Mit diesen Menschen gehe ich vielleicht gerne ein Bier trinken oder spiele irgend etwas anderes, aber Rollenspiel, wie sie es mögen, macht mir keinerlei Spaß, darauf verzichte ich lieber. Hab ich probiert, hat nicht funktioniert.

In die zweite Gruppe hingegen fallen Menschen, mit denen ich mich auch nicht freiwillig in einem Raum aufhalten wollte. Worunter insbesondere Menschen fallen, die mich aufgrund meiner (noch folgenden) Antwort auf die Bonusfrage als linksgrünversifftes Kommunistenschwein bezeichnen würden.

  1. Was geht für Dich am Spieltisch (out-game) nicht? Alkohol, fettige Pommes, lautstarkes Rülpsen oder Körperkontakt? Wie ist das vereinbart?

Hm, ein gewisses Maß an Umgangsformen sollte man schon mitbringen, und da bei mir oft meine Kinder mitspielen, ist weder Rauchen noch Alkohol gerne gesehen. Rauchen geht bei mir in der Wohnung eh nicht, bei Alkohol bin ich aber nicht päpstlicher als der Papst, solange es sich in Grenzen hält. Ansonsten hab ich da nie Probleme gehabt, von daher gab es noch nie den Zwang dazu, konkrete Regeln aufzustellen.

  1. Was geht für Dich in-game nicht? Gibt es Tabus zu Themen oder Handlungen? Und wie kommunizierst Du das?

Wie gesagt leite ich auch für jüngere Zeitgenossen, und in diesen Runden versuche ich natürlich, den Grad an Horror und Gewalt altersentsprechend anzupassen (ich hab meiner Nichte einmal aus Versehen Alpträume verpasst, und das soll mir nicht noch mal passieren).

Ansonsten bin ich bisher ganz gut ohne Tabus und Verbote ausgekommen. Spieler die ich nicht kenne, werden offen darüber informiert, dass sie mir mitteilen dürfen, wenn ihnen etwas zu weit geht, oder wenn sie bestimmte Handlungen nicht im Spiel sehen wollen. Prinzipiell aber leite ich meine Spiele schon so, dass die Atmosphäre zwar gerne auch mal düster und grimmig sein darf, komme aber im Allgemeinen ganz gut ohne allzu explizite Darstellung von Gewalt aus. Mehr Herr der Ringe sozusagen, und nur wenig Game of Thrones.

  1. Wie reagierst Du, wenn ein Spieler sich in- oder out-game in deine persönliche No-Go-Area begibt, vielleicht sogar nachhaltig oder gezielt?

Hängt wieder davon ab, von welchem Bereich wir sprechen. Wenn es um spielstiltechnische Fragen geht, würde ich versuchen, mit dem Spieler Kompromissmöglichkeiten auszuloten. Nur selten sind da die eigenen Standpunkte so weit auseinander, dass man keinen finden kann. Im Zweifelsfall würde ich mich aber lieber in aller Freundschaft von einem solchen Spieler trennen, wenn abzusehen ist, dass einer von uns beiden auf Dauer keinen Spaß am Spiel haben wird.

Die andere No-Go-Area betrifft ja eher den menschlich-politischen

Bereich, da kann es schnell auch mal kritisch werden, da ich sehr starke Überzeugungen habe, wie ein anständiger Mensch sich zu verhalten hat, selbst wenn er eine andere politische Einstellung als ich hat. Hier wird es also mit Kompromissen schwierig, und ich halte auch nicht viel davon, das Thema am Spieltisch totzuschweigen, nur weil die Person mir gegenüber eigentlich doch ganz nett ist, solange man nicht über politische Themen spricht.

  1. Als dezenter, die Immersion nicht störenden Hinweis auf das Überschreiten einer roten Linie wird gerne auf das Konzept der X-Card verwiesen. Nutzt Du dies? Wie sind Deine Erfahrungen damit, oder warum verwendest Du sie nicht?

Hehe, das kommt wohl davon, wenn man sich fast ausschließlich mit D&D und Pathfinder beschäftigt, von der X-Card hab ich tatsächlich noch nie was gehört. Kurzes Googlen hat mich aber neugierig gemacht, und ich werde das wohl einfach mal in meinen Spielen in Zukunft ausprobieren. Ist gerade für die Kids am Tisch vielleicht einfacher, wenn sie einfach die Karte ziehen können.

Bonusfrage(nkomplex): Auf einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen werden klare Regeln hinsichtlich des No-Gos von sexueller Belästigung und dem Umgang damit aufgestellt und propagiert. Wie ist Deine Meinung dazu, brauchen wir das explizit oder sollte das nicht in der Gesellschaft verankert sein? Ist das nur eine “modische” Folge des #meetoo-Hypes? Ist das im Rollenspielumfeld 2018 wirklich nötig? Fühlt ihr euch damit wirklich besser oder verkrampft das die Situation nur?

Hm, ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie hoch die Notwendigkeit hier in Deutschland ist, da ich mich in den letzten Jahren vor allem in amerikanischen Communities rumgetrieben habe. Prinzipiell bin ich der Meinung, dass so etwas im Jahre 2018 eigentlich nicht mehr nötig sein sollte. Da ich aber in meinem Beruf mit sehr vielen Menschen zu tun habe, bin ich an der Stelle etwas desillusioniert. Es gibt immer noch genügend Männer, die Schwierigkeiten damit haben, Frauen als gleichberechtigte und gleichwertige menschliche Wesen anzusehen, und die gerne mal über die Stränge schlagen, weil sie gar nicht erkennen, wie sexistisch ihr Verhalten eigentlich ist. Auch die Reaktionen auf die #metoo-Debatte waren ja nicht nur ermutigend. Und erst kürzlich hat der Beginn des Pathfinder 2-Playtest genau an der Stelle hohe Wellen geschlagen, da Paizo in ihrem Playtest-Dokument sehr explizit No-Gos formuliert haben und dass einigen Spielern ganz gewaltig aufgestoßen ist.

Daher begrüße ich es durchaus, wenn hier klar kommuniziert wird, was nicht geht, zum einen, um potentielle Übeltäter abzuschrecken, aber auch, um alle anderen dafür zu sensibilisieren, nicht wegzusehen, wenn so etwas in ihrem direkten Umfeld geschieht. Ich glaube auch nicht, dass das die Situation verkrampft, ich renne ja nun auch schon ein paar Jahre als Mann durch die Gegend ohne Frauen als minderwertige Wesen zu betrachten oder gar sexuell zu belästigen, so schwer ist das eigentlich gar nicht.

Viel wichtiger ist es mir an der Stelle aber, dass Rollenspiel als Hobby einfach so inklusiv wie möglich sein sollte. Schlimm genug, dass man an der Stelle immer noch über Frauen reden muss, aber das kann nur der Anfang sein. Es darf einfach nicht sein, dass irgendein potentieller Spieler ohne eigenes Verschulden, nur aufgrund irgendeiner Eigenschaft, für die er nichts kann, von anderen Spielern abgelehnt und vom Mitspielen abgehalten wird. Dafür ist unser Hobby zu klein, das können wir uns a) einfach nicht leisten und b) sollten wir inzwischen eigentlich zu intelligent für so einen Blödsinn sein.

Und wie bei Antwort 1 bereits angedeutet: Wer das unbedingt anders sehen muss, fällt in die Gruppe von Menschen, die ich in meiner Rollenspielrunde nicht haben möchte.